Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 36
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DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER

ten Jünglingskopf und dem Jahrbuch II Taf. 14 und Musees
cl’ Athene s Taf. 14 abgebildeten Frauenkopf. Freilich berüh-
ren sie weder die Proportionen, welche ja verschieden sind,
noch eigentlich den formalen Typus, sondern es handelt sich
hier um das, was man das Ethos nennen möchte. Der weib-
liche Kopf hat unter allen Frauenköpfen von der Burg ganz
allein jenen ernsten herben Ausdruck, den wir an den Pelo-
ponnesischen Werken fanden und daher zeigt er auch in den
Gesichtsteilen, die vornehmlich Sitz des Ausdruckes sind,
Mund und Augen, formale Verwandtschaft mit dem Jünglings-
kopf und dessen Sippe. Auch mit den Selinuntischen Frauen-
köpfen ist Verwandtschaft zu bemerken. Das Weihgeschenk
des Euthydikos gehört zu den jüngsten aus dem Perserschutt
stammenden Werken; wir dürfen es als das älteste ansehen, in
welchem der beginnende Einfluss der Peloponnesischen Kunst
sich zeigt. Ohne dass ich glaube, damit den schwierigen und
schwer fassbaren stilistischen Charakter dieses Werkes ganz
aufgehellt zu haben, scheint es mir doch so wenigstens erklär-
lich, warum von ihm über das Athenarelief und das kleine
Athenaköpfchen bis zu den Parthenonskulpturen eine conti-
nuirliclie Entwickelung geht, in der bis auf weitere Funde
das Athenarelief den Höhepunkt der Peloponnesischen Ein-
wirkung bezeichnet, Beginn und Ende sich in dem Euthydi-
koskopf und dem kleinen Athenakopf zeigen, während die
Peitho des Ostfrieses sich als die Blüte dieser Entwicklung
darstellt.

Es bleibt noch ein Werk zu besprechen, das sich als Ueber-
gang aus der Peloponnesischen Kunst in die Attische darstellt
und das ein besonderes Interesse gewinnt, weil wir im Stande
sind dieses Mal an Stelle des allgemeinen Begriffes der Pelo-
ponnesischen Kunst mit einiger Wahrscheinlichkeit bereits
eine lokale Abzweigung derselben zu setzen, nämlich den Stil,
den diese Kunst in Böotien angenommen hatte. Dieses Werk
ist das Eleusinische Belief. Zunächst der Nachweis Pelopon-
nesischer Anklänge. Winter bemerkt (Jahrbuch II S. 226
Anm. 32), dass an den Köpfen der Kora und des Triptolemos
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