Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 38
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DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER

zieher und den stehenden Jünglingen aus Terracotta, wie sie
sich zahlreich in den Tanagräischen Gräbern und in beson-
ders scharfen Exemplaren im Kabirenheiligtum gefunden ha-
ben1. Der einzige Unterschied ist. dass beim Triptolemos das
auf dem Oberkopfe nach vorn gestrichene Haar nicht in jenen
ganz spitzen Knoten ausläuft, dieser ist aber vielleicht wegen
des Kranzes, der den Kopf schmückte2, fortgelassen. Eine
gewisse Aehnlichkeit mit dem Kopfe des Dornausziehers wird
ausserdem Niemand entgehen3; ebenso ähnlich erscheint mir
der Kopf des Petersburger Eros (Conze Beiträge Tafel IX). Auch
in seiner verwickelteren Haartracht kehrt jener wunderliche
Zug wieder, dass ein Teil der Haare des Oberkopfes nach vorn
hin zusammengebunden sind. Allen dreien Köpfen namentlich
aber dem letztgenannten entspricht auch der Typus der er-
wähnten Terracotten. Eine zweite Spur weist ebenso zwiefach
in die Peloponnesiscbe Kunstübung und nach Böotien hinein.
Im Nationalmuseum befindet sich eine in Thespiai 1884 gefun-
dene Grabstele ; sie ist beschrieben im AsAHov 1888 S. 145. Dass
wir in derselben ein in Römischer Zeit benutztes und mit einer
Inschrift versehenes altgriechisches Werk besitzen ist daselbst
ausgeführt. Vielleicht stammen die auffällig starken Unter-

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schneidungen an den Umrissen und das flau und schlecht be-
handelte Haar auch von einer damals vorgenommenen Ueber-
arbeitung. Auffallend ist an dein Jüngling der ernste Ausdruck
und der Peloponnesische Typus; die Messung ergab, dass er
auch die betreffende Proportion hat. In seiner Stellung, na-
mentlich Avas die gesenkte Rechte, die das GeAvand hält, he-
trifft, in seinem ganzen Körperbau, dem hohlen Rücken und

1 Vgl. hierzu den in diesem Bande erscheinenden vorläufigen Bericht
über die Funde im Kabirion.

2 Vgl Friederichs-Wolters S. 392. Es ist auch hinter dem Kopfe noch ein
kleineres Loch vorhanden.

3 Über die Beziehungen des Dornausziehers zu den Olympischen Skulp-
turen vgl. Kekule Arch. Ztg. 1883 S. 230 und Studniczka Rom. Mitth. II
S. 102 Anm. 4.
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