Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 43
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ATTISCHE GRABLEKYTHOS

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Die Ordnung, in der die einzelnen technischen Prozeduren
bei Herstellung der Vase aufeinander folgten, lässt sich noch
teilweise erkennen. Nach Auftrag der gelblichen Grundfarbe
wurde der Bauch durch Parallelkreise gegliedert, sodann das
Bild skizzirt und gemalt. Nun höhte man die weisse Deckfarbe
auf: diese reicht nicht überall bis zu den Firniss - Umrissen, liegt
aber hei dem oberen Teile der Stele über den Parallelkreisen.
Schliesslich wurde an dem Grabmale die Stufentrennung vor-
genommen, Mäander und Schulterornament gemalt, und wohl
auch jetzt erst über die entsprechenden Teile der Vase die
schwarze Firnissdecke gepinselt. Durch die Ungeschicklichkeit
des Arbeiters geriet hiebei auf die Stele selbst ein kleiner Fir-
nisstropfen 1.

Für die Datirung bietet unsere ATtse schon für sich allein
genügende Anhaltspunkte. Der Stil zeigt noch mannigfache
Anklänge an die archaische Weise. Die Frau ist in übertriebe-
ner Schlankheit und strenger Seitenansicht gebildet. Man ver-
misst die deutliche Unterscheidung von Stand-und Spielbein.
Die Füsse treten mit der ganzen Sohle auf den Boden auf.
Der Jüngling ist in einem Schema dargestellt, das hauptsäch-
lich auf rotfigurigen Vasenbildern des älteren Stils zu treffen
ist. Der Körper ist von vorn dargestellt, der Kopf aber nach
links gewandt, der 1. Fuss in Seiten-, der r. wieder in Vor-
deransicht gezeichnet. Man merkt deutlich, wie der Maler mit
der alten Profilstellung zu brechen versuchte, ohne dass aber
sein Können mit seinem Wollen uleichen Schritt uehalten

O O

hätte. So kam eine Figur zu Stande, die alles eher als natür-
lich genannt werden muss. Hiezu stimmt die steife Arm-
und Handhabung beider Personen, die strenge Stilisirung der
Stirnlocken des Jünglings, das starke Hervortreten seiner r.
Hüfte, die scharfe Trennung der Hauptteile des Rumpfes, über-

Wenn auf der Vase Annali 1876 Taf. DE (S. 20 ff. vgl. Blümner a. a. 0.)
die Gefässe vor Anbringung des figürlichen Schmuckes ornamentirt werden,
so ist dies gewiss das Vernünftigere; vgl. übrigens Pottier Etüde sur les le-
cythes blancs S. 100,
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