Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 45
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ATTISCHE GRABLEKYTHOS

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reihe als Überbleibsel der älteren Verzierung erhält und erst
verhältnismässig spät durch einen Eierstab verdrängt wird.
Das Bauchbild stellt gewöhnlich eine Scene des Frauenge-
maches, manchmal die Gestalt eines Mannes oder eines Jüng-
lings, oft mythologische Figuren dar. Charakteristisch ist, dass
diese Bilder in keiner Beziehung zum Grabescultus stehen.
Sowohl Ornament als Figürliches ist mit Firnissfarbe gemalt,
und zwar sind die Umrisse in älterer Zeit mit Belief- in jün-
gerer mit flachen Linien gegeben. Matte Farben kommen ver-
hältnismässig spärlich zur Anwendung. Dem Stile der Zeich-
nung nach gehören diese Gefiisse in ihrer Mehrzahl etwa den
ersten zwei Dritteln des V. Jh. an; manche mögen auch noch
in die letzten Jahrzehnte des VI. Jh. hinaufreichen. Hingegen
werden wir über das Jahr 430 kaum weit herabgehen dürfen.

Die jüngere Gruppe besteht aus weissgrundigen Lekytlien
im strengen Sinne des Wortes. Die Gefässe sind grösser ge-
worden. Der Pfeifenthon hat bereits auf die Schulter überge-
griffen, der Hals und der ganze Henkel sind mit Firniss über-
zogen. Das Palmettenornament ist auf der Schulter zu alleini-
ger oder fast alleiniger Herrschaft gelangt, und zwar ist es
regelmässig eine Ranke mit drei Palmetten, die sich hier aus-
breitet. Das Bauchbild bezieht sich auf den Totenkult; die
Firnissfarbe ist matten Tönen gewichen. Lekytlien dieser Art
fallen in das Ende des V. und in das IV. Jh. *.

Unsere Lekythos lässt sich strenge genommen in keine die-
ser zwei Klassen einreihen: sie stellt uns vielmehr ein Über-
gangsstadium zwischen beiden dar. Von der älteren Gruppe
hat sie noch die gelbe Farbe des Pfeifenthones und die ausge-
dehnte Anwendung der Firnissfarbe beibehalten. Die schwarze
Decke hat aber bereits vom Hals und von der Innenfläche des
Jlenkels Besitz ergriffen, der Pfeifenthon erstreckt sich schon
auf die Schulter, und zugleich erscheint auf derselben das Or-

1 Nach meiner bisherigen Kenntniss der weissgrundigen Lekytlien scheint
es fast, als hätte dieser Fabricationszweig das Ende des IV. Jh. nicht mehr
erlebt.
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