Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 47
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ATTISCHE GRABLEKYTHOS

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in allen Fällen das gleiche : auf einem hohen Unterbau erhebt
sich eine Stufenpyramide, die ihrerseits wieder als Basis für
ein besonderes Epithema dient1. Ob letzteres in einer Stele,
einem Viergespanne oder einem Löwen besteht, ist in diesem
Falle nicht von wesentlicher Bedeutung. Desgleichen wird die
Erweiterung, die das ursprüngliche Schema durch Einschie-
bung eines Säulentempels oder einer Säulenstellung erfährt,
durch die Anschauungen und Bedürfnisse einer späteren pracht-
liebenden Zeit verständlich. Bei einem griechischen Grab-
male musste natürlich die überirdische Grabkammer wegfal-
len, und so fehlt auch jede Andeutung, dass der Unterbau
etwa hohl zu denken wäre.

Um die Kunstform des Maussolleums zu erklären, hat man
mit Recht auf analoge Bauten Aegyptens und besonders Asiens
hingewiesen2. Unsere Lekythos zeigt, dass diese fremdlän-
dischen Einflüsse schon um die Mitte des V. Jli. im griechi-
schen Mutterlande wirksam waren, und es muss wohl die
Frage aufgeworfen werden, ob in dem Maussollos-Grabe nicht
eine Art Rückschlag vorliegt, ob Pythis und Satyros ihrem
Bauplane nicht griechische Vorbilder zu Grunde legten.

Was die Technik der Vase anbelangt, so zähle ich im fol-
genden die gleichartigen Gefässe, die ich kenne, auf, ohne ir-
gendwie auf Vollständigkeit Anspruch machen zu wollen. Es
sind mit Ausnahme von Nr. 18 und 19 sämmtlich Lekythen.
Überall sind Umriss- und Innenzeichnuns: mit flachen Firniss-

O

linien ausgeführt, und die Fleischteile der Frauen auf dem
gelblichen3 Untergrund weiss aufgehöht. Hieher gehören dem-
nach ausser unserem Gefässe (1):

2. Athen, Museum der archäologischen Gesellschaft Nr. 3302;
H. 0,195; Umf. 0,2; Form, Verteilung des Firnisses und des

1 Auch bei deniGrabmal von Mylasa dürfte wohl ein Epithema anzuneh-
men sein.

2 Vgl. zuletzt Baumeister Denkin. unter ‘Maussolleum’, v. Sybel Welt-
geseh. der Kunst S. 232.

3 Weiss scheint der Grund nach der Beschreibung bei Nr. 18 zu sein, bei
Nr. 3 ist seine Farbe durch den Einfluss des Feuers verändert.
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