Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 51
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ATTISCHE GRABLEKYTHOS

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ser in späterer Zeit überhaupt vergessen war, wurde auch
jener schlauchförmige Fortsatz unnötig; man schloss den Hals
gar nicht mehr oder aber unmittelbar unter der Mündung.
Ein Beispiel letzterer Art, eine 0,55m hohe weissgrundige
Grablekythos des IV. Jh., sah ich im Museum des Piräus1.

6. Ebenda, ans demselben Grabe und von derselben Hand;
vgl. AsXAov 1889 S. 76, 4. Abgesehen davon, dass der Bauch
weniger gewölbt und unten bloss durch einen Kreisring abge-
schlossen ist, stimmt das Gefäss mit Nr. 5 in Form, Vertei-
lung des Firnisses und des Pfeifenthones. der ornamentalen
Decoration und dem Stil der Zeichnung vollkommen überein.
Auch die Durchbohrung des Bauches ist vorhanden. Darstel-
lung: Vorbereitung zum Grabesgange. Eine schlanke Frau in
thonfarbenem Ärmelchiton und Himation, welches bloss um
den Unterkörper geschlungen ist, mit Haarbeutelfrisur2 und
Haarband sitzt auf einem Eehnstuhle mit geschweiften Beinen
nach rechts und hält vor sich in der R. eine Deckelbüchse;
auch die L. sollte wohl, wie ihre Haltung zeigt — die Innen-
fläche derselben ist nach oben gekehrt — irgend einen Gegen-
stand tragen. Ihr gegenüber steht eine zweite Frau in thon-
farbenem ärmellosem Chiton mit Überwurf, wie die erstere
frisirt, in Vorderansicht und blickt nach links. Vor sich trägt
sie auf der L. einen breiten Korb mit Tänien, drei Wülsten
und zwei Kränzen. Über dem Kopfe der Sitzenden hängt eine
Oinochoe, links davon ein Spiegel; rechts dieselbe Inschrift
wie auf Nr. 5.

Himation und Oinochoe sind mit Firniss gefüllt, die Falten
des ersteren, die Haarbänder und einige Tänien rot, andere
Tänien wieder ebenso wie die Wülste und die Deckelbüchse
weiss, der Sessel holzbraun mit Firnissinnenzeichnung, der

H Hier ist nicht nur der Bauch unterhalb des Henkels durchbohrt, son-
dern auch im Boden eine grosse runde Öffnung gelassen.

2 Dieselbe erscheint gerade auf Lekythen aus der ersten Hälfte des V. Jh.
häufig; vgl. z. B. Gerhard A.V, III Taf. 174 f. IV Taf. 301, Herrmann, Grä-
berfeld von Marion Abb. 20 und S. 30.
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