Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 54
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ATTISCHE GRABLEKYTHOS

Haare und Gefässe sind mit Firniss gefüllt, die Haarbänder
rot, der Sessel holzbraun mit Firniss-Innenzeichnung. Die
Vorzeichnung ist eingeritzt und nicht so ausführlich wie bei
Nr. 1. Immerhin erstreckt sie sich auch hier im Gegensätze
zur Firnisszeichnung auf die Gewandfalten. Der Stil stimmt
im allgemeinen mit Nr. 1 überein. Auffällig ist aber die man-
delförmige Form der enggeschlitzten Augen k Auch sind diese
im Gegensätze zu Nr. 1 halb von vorne dargestellt und entbeh-
ren bei beiden Personen des oberen Augenlidstriches.

10. Ebenda Nr. 1998. Mund hoch und etwas kelchförmig,
Bauch sehr gedrungen, Fusswulst wie bei Nr. 4. Verteilung
des Firnisses und des Pfeifenthones und Schulterornament wie
bei Nr. 9, Bauchornament wie bei Nr. 8, jedoch fehlt die
Vertikale.

Darstellung: Scene des Frauengemaches. Eine Frau in
bräunlich rotem Armeichiton und Himation, das die r. Brust,
den r. Arm und den 1. Vorderarm frei lässt, das Haar rück-
wärts geknotet, sitzt auf einem Lehnstuhle mit geschweiften
Beinen nach rechts und blickt auf eine Halsschnur mit Bom-
meln, die sie mit beiden Händen vor sich hält; rechts von
ihr ein Kalathos. Ihr gegenüber steht eine zweite Frau, die
ebenso gekleidet ist wie jene, und in der erhobenen R. eine
grosse Blume trägt. Haare, Stuhl, Blume und Kalathos sind

und ebenso dürfte die Handhaltung der stehenden Frau zu erklären sein,
sei es nun, dass die Farbe abgesprungen ist, oder wahrscheinlicher, dass
wieder eine Flüchtigkeit der zweiten Hand vorliegt. Die Lieblingsinschrift
ist wohl zu lesen ’A^iotusEOt]? xaXö? ’AXxi[j.a-/o; vgl. Klein, Euphronios 2 203,1.

] Ähnlich gebildete Augen zeigen einerseits archaistische Werke römi-
scher Zeit, wie die kapitolinische Zeus-Ara, Overbeck Atlas der griech.
Kunstmyth. III 23,24, IV 1, I 49 (Zeus; die ganze vierte Seite Mus. Capil.
IV 8, Baumeister Denkm. Abb. 2397), der Zeus des neapeler Musensarko-
phages Overbeck a. a. 0. III 17 u. a. (vgl. auch den Apollo aus dem Thea-
ter und seine Verwandten), andererseits archaische Skulpturen attischer
Kunst, wie z. B. der Jünglingskopf ’E<p]p£pü dpy_. 1888 Taf. 2 und die Frau-
enstatue Musees cVAthenes Taf. 1 i. Freilich sucht man sowohl hei den Ge-
stalten der Vase als bei den erstangeführten Werken umsonst die frische
Natürlichkeit, durch die sich die letztgenannten Skulpturen auszeichnen.
Sie machen vielmehr den Eindruck des Matten und Schläfrigen.
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