Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 70
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ZUR NEMESIS DES AGORAKRITOS

Übereinstimmungen darf man keinen näheren Zusammen-
hang der Nemesis von Rhamnus mit den beiden Denkmälern
annehmen. Die Abweichungen, wenn auch in Einzelheiten,
sind immer noch bedeutend genug und die Ähnlichkeit er-
klärt sich einfach dadurch, dass die beiden Gottheiten, welche
ihrem Wesen nach der Nemesis am nächsten stehen, diesen
Kopfschmuck tragen. Ebensowenig ist man aber auch berech-
tigt auf einem von J. P. Six (a. a. 0. S. 91 fg. Taf. 5 -
Gardner Types of Greek coins Taf. X 27) herangezogenen
Silberstater des kyprischen Dynasten Nikokles eine Nachbil-
dung der berühmten attischen Statue zu erkennen. Die Vor-
derseite der Münze, welche nur in einem ziemlich stark be-
schädigten Exemplar des Britischen Museums erhalten ist,
trägt das nach rechts gewandte Bild des thronenden Zeus. Auf
der Rückseite sieht man nach links, also dem Zeus zugewandt,
eine stehende weibliche Figur in ärmellosem yi-wv c/igtö? mit
Überschlag. In der vorgestreckten Rechten hält sie über ein
Thymiaterion eine cpuklr, pecöpcpaXo?, in der herabhängenden
Linken einen Zweig mit langem Stil. Auf der rechten Schul-
ter soll das Gewand durch eine Spange zusammengehalten
sein, welche in einen Greifenkopf ausläuft. Doch scheint diese
Einzelheit mir keineswegs so sicher wie Six und Furtwängler1.
Denn Spangen dieser Form sind meines Wissens nicht nach-
weisbar; auch haben die fraglichen Umrisse zu grosse Dimen-
sionen. Ausserdem ist zu bedenken, dass der Greif eins der
spätesten Attribute der Nemesis ist2. Endlich ist der Kopf der

ganz ähnlich auf Denaren des L. Hostilius Saserna wiederkehrt (Babeion
Monnaies de la republique rom. I S. 553, Daremberg-Saglio Dictionnaire
des antiquites II, 1 S. 156). Mit der Rechten hält die Göttin auch hier einen
aufrecht stehenden Hirsch, in der Linken eine Lanze, die demnach auch
bei der Münchener Statue zu ergänzen sein wird. Den Kopfschmuck kann
man auf der Münze nicht deutlich erkennen (eher eine Strahlenkrone als
Stephanos mit bildlichem Schmuck); der Faltenwurf des Gewandes zeigt
wenigstens auf einem Exemplar deutliche Zickzackfalten.

* Sammlung Sabourolf Excurs zu Taf. 71, 2 S. 16, s. Posnansky a. e. 0.
S. 100 fg.

2 Posnansky a. e. 0. S. 109 fg., dessen Vermutung, dass der Greif der
Nemesis in alexandrinischer Zeit beigegeben worden sek ich jedoch nicht
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