Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 77
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ZUR G-ESCHICHTE VON THASOS

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die ersten sechs Namen sich auf die ersten zwei Jahre der Oli-
garchie, der siebente auf das dritte Jahr derselben beziehen.
Es müsste also die Oligarchie mindestens drei Jahre gedauert
haben. Die verschiedenen modernen Geschichtsdarstellungen
gehen teilweise in der Fixirung der Dauer dieser Oligarchie
aus einander. Der Thatbestand ist der, dass Thukydides er-
zählt, dass sich bereits zwei Monate nach Einsetzung der oli-
garchischen Verfassung durch die athenischen Gesinnungs-
genossen die Lakonerfreundlichkeit der thasischen Gewaltha-
ber ergeben habe, indem diese den Anschluss an Sparta suchten.
Da aber Thukydides’ Werk mit dem Herbst 411 schliesst so
erzählt er nichts Näheres von den Ereignissen dss Jahres 410,
zu welchem Xenophon (Hell. I 1, 32) berichtet, dass in Folge
eines Aufstandes auf Thasos der spartanische Harmost Eteo-
nikos sammt den Anhängern der Lakedämonier vertrieben wor-
den sei. Derselbe Xenophon erzählt (Hell. I 4, 8) von der Un-
terwerfung von Thasos durch Thrasybul, dem Ekphantos die
Tliore geöffnet hat. Es ist klar, dass dies zwei verschiedene
Ereignisse sind, dass mithin die Vertreibung des Eteonikos
im Jahre 410 nicht den Erfolg eines völligen Anschlusses der
Insel an Athen sowie der Aufhebung der Oligarchie gehabt
hat, sondern beides erst als Folge weiterer Aufstände und
Kriege, deren einer noch ins Jahr 410 nach Ausweis der In-
schrift C. I. A. IV 51 fällt, im Jahre 407 eingetreten ist.
Demosthenes (gegen Leptin. § 59) erzählt das Ereigniss von
407 und behauptet gleichzeitig, es sei dem Thrasybulos auch
die lakonische Besatzung ausgeliefert worden. Es scheint also,
dass nach Vertreibung des Eteonikos im Jahr 410 die Oli-
garchen wieder die Oberhand bekamen und neuerdings eine
lakonische Besatzung zuliessen, wenn nicht rednerische Über-
treibung angenommen werden soll. Aber auch Diodor, der
(XIII 72) nur das Ereigniss von 407 meldet, erzählt, dass die
Thasier gezwungen worden seien, die athenisch (und fügen
wir hinzu demokratisch) gesinnten Verbannten wieder auf-
zunehmen. Ekphantos und seine Partei waren also vor Öffnung
der Thore nud Übergabe der Stadt an Thrasybul thatsäch-
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