Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 97
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POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

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ihre Zerstörung fraglich bleibende Hand eine linke: dann wäre
unsere Gruppe wie die in Assos zu ergänzen, die zerstörte linke
Hand gehörte dem Herakles an, der die aufwärts gestreckte
linke Hand des Triton umfassen würde, indessen diese Mög-
lichkeit ist ausgeschlossen. Denn erstens wäre das Natürliche
bei solcher Bewegung, dass die innere Handfläche des Triton
dem Beschauer zugekehrt wäre, so wie es in Assos der Fall
ist; aber nicht die innere Handfläche ist an dem Bruchstück
ausgearbeitet, sondern die äussere. Immerhin liesse sich ja noch
denken, dass in altertümlicher Unbeholfenheit der Künstler
den linken Arm des Triton so verrenkt dargestellt hätte, dass
die Aussenfläche der Hand nach vorn stand, wenn nicht ein
anderer Gesichtspunkt dagegen entschiede. Denn, wenn der
Herakles mit der Linken so wie in Assos seinen Gegner an der
Handwurzel des linken Armes packte, so musste er mit der
anderen Hand den rechten Arm in seine Gewalt bringen. So-
viel ist aber vom rechten Arm des Triton erhalten, um das Ge-
genteil zu sichern. Fällt daher die eine Möglichkeit fort, so
bleibt nur die andere, das Ringerschema des kleinen Triton-
giebels. Danach sind also die beiden Hände des Bruchstückes
die Hände des Herakles. Seine linke hinter dem Nacken des
Triton hervorkommende Hand — eine Spur an der linken
Seite des Tritonhalses dürfte eher von dem der Hand entspre-
chenden Arm als vom Haar des Triton herrühren — ist von
der rechten Hand gefasst, damit in der Umklammerung der
Triton erdrückt werde. Die beiden Hände können sich nicht
weit von der Brust des Dämon befunden haben.

Die Anordnung wird durch ein drittes Bruchstück bestä-
tigt, eine mächtige linke Hand, welche mit äusserster Anstren-
gung gegen den Rest eines Armes drückt; der Arm verjüngt
sich nach dem Daumen der auf ihm lastenden Hand zu. Hier
haben wir die linke Hand des Triton, welche er allein zur
Abwehr frei behält, und der Armstumpf kann nur vom rechten
Unterarm des Herakles sein.

Schliesslich ordnet sich der Rest eines gewaltigen linken
Armes von beträchtlich grösseren Verhältnissen als die Arme

ATHEN. MITTHEILUNGEN X’V. 7
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