Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 102
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PO ROS SKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

w ir haben aus nichtattischen, zumeist', wie es scheint, aus
ionischen oder dem ‘ ionischen ’ Kunstkreis nahestehenden
Denkmälern ein paar frischere Züge der alten Sage gewinnen
können. Aus attischen Werken, so zahlreich sie sind, wäre das
nicht möglich gewesen. So gern auch die Töpfer des sechsten
Jahrhunderts nach Ausweis der über 70 attischen Vasen, wel-
che bisher mit dieser Darstellung bekannt geworden sind '. die
Kunst ihres Pinsels und Griffels in der Wiedergabe des Rin-
gerschemas von Herakles und Triton geübt haben, so haben
sie die Anschaulichkeit der alten Sage doch nicht erreicht. Bei
ihnen verschwindet der für das Wesen des Dämon so bezeich-
nende Zug des Zechenden. Wenn ihm der eine und andere
noch den Epheukranz um das Haupt giebt, so erscheint die-
ser Schmuck unbegründet, unvermittelt, wie der Rest einer
absterhenden Sage, den sie aus den vollständigeren, vermut-
lich ionischen Darstellungen, welche auch hierin ihr Vorbild
gewesen sein werden, ohne volles Verständniss bewahrt haben.
Statt des Gelages der Meerbeherrscher, vor denen der Ring-
kampf vor sich geht, umgeben die Gruppe Poseidon und Ne-
reus in ruhiger Haltung, Dreizack oder Scepter in der Hand,
wie die Aufseher der Palästra sich auf ihren Stab stützen; da
und dort eilt auch einer herbei, dem bedrängten Genossen Hilfe
zu bringen 2 3. Wie matt erscheint neben der Lebendigkeit der
Scene von Assos, trotz aller erworbenen Kunstfertigkeit, das
Werk des letzten Vasenmalers.der, sov iel wir wissen,den Kampf
mit dem Triton, nicht später als in der Zeit der Perserkriege,
dargestellt hat, gegenüber den Tychios, Timagoras, Exekias -1
lind wer sonst die hieher gehörigen schwarzfigurigen Vasen

o o o o

1 Zu dein von Petersen aufgeführten Vasen sind hinzuzufügen Karlsruhe
184. 198. Unter den Vasenscherben von der Akropolis sind mehrere hier-
hergehörende Stücke.

2 Siehe die Zusammenstellungen von Petersen S. 86 f., dem ich mich aber
in seiner Auffassung von der Entwickelung des Typus nach dem oben Ge-
sagten nicht anschliessen kann.

3 Von Petersburg 142 nimmt Klein, Vasen mit Meistersignaturen2 S.42,
2, wegen des ’0vr)-op£8r)s xaXd? die Autorschaft des Exekias an.
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