Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 103
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POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

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malte, des einzigen für uns, der die Scene in den Zeiten des
rotfigurigen Stiles noch aufnimmt: der Ringkampf, welcher
allein dem Wesen des Gegners entsprach, ist aufgegeben, He-
rakles unterhandelt mit dem Triton und droht ihm mit der hier
höchst unpassenden Keule1.

Wenn die Vorstellung vom Gelage des Triton in Attika kei-
nesfalls eine sehr lebhafte gewesen ist, so gewinnen wir auch
daraus die Wahrscheinlichkeit, dass das Attribut, welches der
Dämon in unserem attischen Giebel hielt, nicht ein Trinkge-
fäss, sondern eher der Delphin war. Und so trägt er auch den
Delphin noch während des Ringens auf attischen Vasenbil-
dern, z. B. auf einer Vase in Würzburg, auf einer im Lou-
vre, auf einer dritten in Neapel2. Von der im Louvre heisst es:
‘der schon überwältigte Triton hat mit dem in der Rechten
gehaltenen Delphin ausgeholt, um auf den Herakles zu hauen’;
die in Neapel beschreibt Hevdemann: Herakles mit der Lö-
wenhaut bekleidet hat rittlings sich auf den fischleibigen lang-
bärtigen Triton gesetzt, den er mit beiden Händen umhalst;
mit der Linken sucht der Meerdämon diese Umarmung zu lö-
sen, während er in der Rechten einen Delphin hebt und das
grosse Gesicht schmerzvoll um wendet’. Schritt für Schritt
erlauben die Vasen den weiteren Verlauf des Kampfes zu ver-
folgen. Auch auf den beiden Bildern einer Amphora des Mu-
seo Gregoricuio, einer der ältesten Vasen mit dieser Darstel-
lung, hält der Triton die eine Hand so hoch wie in der pariser
und der neapler Vase erhoben, aber eben ist ihr der Fisch,
der beide Mal darüber gemalt ist, entschlüpft3. Dieselbe Be-

1 Annali 1882 Tat. K.

2 L. Urlicbs, Verzeichnis der Antikensammiung der Universität Würz-
burg III Nr. 90; wie mir II. L. Urlicbs frenndlichst mitteilt, ist es der Tri-
ton, der den Delphin in seiner Linken hält, nicht Herakles, wie das Ver-
zeichniss angiebl.Ed. Gerhard hat vor derVase denselben Sehfehler begangen;
denn die Vasen m und p in dem Verzeichniss Auserlesene Vasenbilder II S.
95 sind mit der Würzburger Amphora identisch, an der Beschreibung von
p hat also Petersen S. 83 Anm. 2 mit Recht gezweifelt.—Die Vase des Lou-
vre Arch. Ztg. 1853 S. 399, 3 (</')> die in Neapel Heydemann 3419 (t').

3 Museo Gregoriano II, 43, 2a, 2b (K); vgl. München 161.
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