Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 104
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PORQSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

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wegung des Triton, aber ohne Beifügung des Fisches, der schon
verschwunden zu denken ist, zeigt noch die Hydria des Tima-
goras im Louvre1. So verstehen wir auch die Haltung des
Triton in dem kleineren Giebel. Denn seiner nach unten aus-
gestreckten , leeren linken Hand, welche nach Studniczka’s
Veröffentlichung des Giebels angesetzt worden ist, wird der
Fisch eben entronnen sein, der also in der linken Giebelhälfte
vorauszusetzen ist. Und zwar hat er vermutlich zur Füllung
des Giebelzwickels gedient, ähnlich dem Krebs des Hydrare-
liefs. Wie dieser von der Mitte der Scene, wo er den Herakles
heissen müsste.und es in den für den Giebel vorbildlichen Dar-
stellungen gethan hat, in die Ecke gewichen ist, so, dürfen wir
glauben, ist im zugehörenden Giebel der Delphin der Raum-
füllung zu Liebe von seinem 'Herrn ab und in den Zwickel
gerückt worden.

Indem die für Athen massgebende Kunst oder Sage, welche
auch auf den Meister des in Olympia gefundenen argivischen
Bronzebleches2 gewirkt zu haben scheint, die Vorstellung vom
Gelage des Triton aufgab und den Nachdruck einseitig auf das
Ringerkunststück des Herakles legte, bedurfte sie der Figur
eines Richters, der über das Ringen entschied. So stellen die
Vasen den Nereus und Poseidon neben die Gruppe. Wer er-
füllte diese Pflicht in unserem Giebel ?

Dass die voll dem Beschauer zugekehrte Brust des Triton
die Mitte des Giebels einnahm, ist an und für sieb wahrschein-
lich. Wo auch immer jener Kampf dargestellt worden ist, bil-
det die Gruppe der Ringer die Hauptsache. Von dieser Wahr-
scheinlichkeit ausgehend haben wir schon bei der Herstellung
des Typhongiebels die Höhe der Mitte auf einen Meter be-
stimmt, und die Masse des Zeus, der dort notwendig die Mitte
einnahm, haben die Annahme bestätigt. Der Abfall der Win-

L Abgebildet bei Collignon, Manuel d'arckeologie grecque S. 287 (C). Vgl.
auch München 126 m

2 Ausgrabungen zu Olympia IV Tat. 25 B S. 19, Furtwängler, Bronze-
funde S. 95. -
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