Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 116
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POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

sitzt der Kopf, wie die Gruppe jetzt im Museum hergerichtet
ist, nicht ganz richtig auf. Die rechte Seite des Halses ist et-
was einwärts zu rücken, die rechte Seite des Kopfes ein wenig
zu senken, vielleicht auch der ergänzte Hals etwas kürzer zu
machen: dann lassen sich die erhaltenen Linien am oberen
und unteren Ende des Halses, so viel ich sehen kann, sehr
gut miteinander vereinigen. Zweitens ist irrig von mir gesagt
wordenl, dass die Endigung des Haares, welche angepasst
wurde als die unserem Lichtdruck zu Grunde liegende pho-
tographische Aufnahme bereits gemacht war, reichere Locken-
ringel enthalte als an den beiden anderen Köpfen. Der untere
Rand des Haares ist bei diesen bestossen, und der Eindruck,
von welchem ich mich damals leiten liess, beruhte auf dem
heutigen Zustand, ln Wirklichkeit haben wir dem Erhalte-
nen gegenüber kein Recht anzunehmen, dass die Locken,
deren Ansätze auch an den beiden vorderen Köpfen zu sehen
sind, dort in wesentlich verschiedener Weise ausgeführt ge-
wesen wären. Im Gegenteil beweist die an dem vordersten
Kopfe in unserer Tafel noch sichtbare Rosse, welche am nicht
ausgeführten Teile des Haares über dem Nacken stehen gehlie-
hen ist, dass der Block hier unten vor der Einzelausführung
breiter war, eben um aus der breiteren Masse die etwas vor-
springenden Locken heraus zu arbeiten.

Die wirklich bestehenden Verschiedenheiten des Kopfes,
welche von Kavvadias, Lechat und Wolters hervorgehoben
wurden2, sind durchgängig der Art, dass sie für den Reschauer,
welcher vor dem Tempel stand, überhaupt kaum oder jeden-
falls nicht als unterscheidende Merkmale erkennbar waren:
so das beim Blaubart aufstrebend gebildete Stirnhaar, welches
bei den andern in die Stirn hineinfällt, ein Unterschied, der
nur an den Seiten zur Geltung kommt. Zum Teil aber werden
die Verschiedenheiten, wenn man nur die Arbeitsweise dieses

1 A. a. 0. S. 85.

2 AsXxtov 1888 S. 203. Bulletin cle correspondance helUnique 1889 S. 138.
Antike Denkmäler 1888 S. 16.
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