Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 117
DOI Heft: 10.11588/diglit.29171.4
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.9
DOI Seite: 10.11588/diglit.29171#0127
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1890/0127
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

117

Meisters beobachtet, wie sie sich glücklicherweise beobachten
lässt, nicht allein erklärt, sondern geradezu gefordert. Alle
empfinden es, dass der vordere und mittlere Kopf Werke einer
Hand sind, und dennoch ist der Bart des Vordersten als glatte
Masse behandelt, während der des Mittleren durch Riefelung
gewellt erscheint, und sind die Lippen des Erstgenannten nur
recht roh hergestellt, während sie bei dem Andern glatt, bis
zur letzten Vollendung gediehen sind. Der Grund dieser Un-
terschiede liegt auf der Hand : der vordere Kopf war im Hin-
tergründe und weniger scharf zu sehen als der mittlere. Wie
sparsam der Meister dieser Skulpturen mit der feineren vollen-
denden Arbeit war, darauf habe ich schon früher Gelegenheit
gehabt hinzuweisen. So hat er sich auch darauf beschränkt,
bei dem im Hintergrund befindlichen Kopfe das auszuarbei-
ten, was von unten in der Tiefe des Giebels noch wahrge-
nommen werden konnte. Umgekehrt müssen wir schliessen,
dass er was im Vordergrund war in allen Einzelheiten scharf
hervortreten liess. Daher müssen die Lippen des Kopfes, wel-
cher auf dem dritten Körper sass, anders gebildet sein als die
unvollendeten des ersten.

Davon abgesehen also, dass der Kopf von einer anderen
Hand herrührt, ist kein Anlass vorhanden ihn dem Körper
abzusprechen. Auf der anderen Seite darf man behaupten,
dass der Meister, welcher die vier sicheren Köpfe des Typhon-
giebels gearbeitet hat oder unter seiner Aufsicht arbeiten liess,
einen Kekrops mit anderen Kennzeichen als den Blaubart aus-
staffirt hätte. Wie er über die Mittel verfügte, welche die Ty-
pen der Haartracht zur Charakteristik gewährten, sehen wir
daran, dass er das Stirnhaar des Zeus und Herakles so wellig
legte, wie der gebildete Athener, der kein Kahlkopf war, nach
Ausweis der zeitlich nahe stehenden Skulpturen und Vasen es
damals trug, dass er die Köpfe ohne Schnurrbart und dass er
den Kinnbart des Zeus, wie das neu hinzukommende Bruch-
stück lehrt, zierlich gesträhnt und spitz zugestutzt sein liess,
während des Herakles Bart weich sich an das Kinn anschliesst.
Dem Zeus giebt er die Strahlenkrone und dem Herakles den
loading ...