Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 119
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POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

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der Bart des Gottes erscheint gestutzt und, vor allem, auf dem
Haupte trägt er sein Zeichen, den Epheukranz1.

Dass auch der Triton den Kopf des Blaubartes nicht getra-
gen haben kann, sei zum Schluss noch einmal gesagt. Schon
die einfache Erwägung, dass die Tritonbrust beträchtlich
grössere Verhältnisse hat, als der Typhonkörper, dessen Maas-
sen der Kopf entspricht, widerlegt diese Annahme.

Tritongiebel und Typhongiebel gehören zu demselben Ge-
bäude. Das hat jeder empfunden, der dieser Skulpturen an-
sichtig geworden ist, ja das Gefühl ihrer Übereinstimmung
war so gross, dass man anfänglich glaubte, Typhon und Tri-
ton hätten in einem Giebel gestanden. Die Wiederherstellung
beider Giebelfelder hat gezeigt, dass sie gleiche Abmessungen
haben. Mehr mag über die stilistische Gleichheit beider Werke
gesagt werden, wenn es sich bei anderer Gelegenheit darum
handeln wird, sie in den Zusammenhang der Geschichte der
altattischen Kunst einzureihen. Ich möchte hier nur noch auf
einen Unterschied zwischen den beiden Reliefs hinweisen,
welcher, in seinem Wesen erkannt, die Übereinstimmung der
Arbeit von neuem darthut.

P. J. Meier hat an der verschiedenen Relieferhebung des
kleineren Triton-und des Hydragiebels Anstoss genommen2.
Auch bei den grossen Giebeln findet sich ein solcher Unter-
schied: der Typhongiebel hat 42, der Tritongiebel über 60 cm
Relieferhebung. Wer von diesem Unterschied ausgehend die
Giebelpaare von einander reissen wollte, würde zu der absur-
den Annahme geführt, dass von vier Gebäuden je ein Giebel
gänzlich verschwunden und der andere vortrefflich erhalten
sei. Vielmehr gewinnen wir aus der zwiefachen Wiederkehr
ungleichen Reliefs die feste Überzeugung von der paarweisen
Zusammengehörigkeit der Giebel und zwar um so mehr, als

1 Heydemann, Vasensammlungen zu Neapel, Slg. Santangelo 172, abgeb.
Gerhard, Akademische Abhandlungen Tat. 68, 1. 2.

2 Alben. Millheilungen 1885 S. 327; vgl. Studniczka 1886 S. 61.
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