Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 121
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PORÖS SKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 121

Also wenn wir diese Bildwerke noch als Reliefs bezeichnen,
so ist das nicht eigentlich in der Absicht ihres Künstlers be-
gründet, sondern allein in dem Umstande, dass zu Skulptur
und Architektur hier noch derselbe Stein verwendet worden
ist. Es ist nur ein kleiner Schritt, die Skulpturen von der Gie-
belwand abzulösen lind aus kostbarerem Material als Statuen
davor aufzustellen, so wie es in Athen bereits am Marmor-
giebel des pisistratischen Athenatempels geschehen ist: wenn
auch dieses vielleicht nicht das älteste Beispiel für statuari-
schen Schmuck im Giebel war: denn wenn Purgold’sVermutung
über die Giebel des Ileräon in Olympia das Richtige träfe 1,
so wäre es möglich, dass bereits dem Meister unserer Giebel
ein ähnliches Werk vor Augen war.

Der Absicht scheinbar statuarischer Bildung wurde im Tri-
tongiebel ein Relief von ungefähr 60 cm Erhebung gerecht;
in diese durch Herakles und Triton bedingte Relief höhe wird
sich der Kekrops bequem eingefügt haben. Anders aber lagen
die Verhältnisse im Typhongiebel. Die drei Körper des Ty-
phon nebeneinander dem Zeus entgegen zu stellen wäre auch
in einem grösseren Giebelfelde ohne Verkürzung nicht aus-
führbar gewesen. Mit einem bei der Altertümlichkeit des Wer-
kes der Hervorhebung werten Geschick hat der Meister den
einen Körper abgelöst und mehr von vorn gebildet, wodurch
er die Reliefhöhe der Gruppe minderte; immerhin bedurfte er
für die beiden übrig bleibenden Körper einer beträchtlichen
Verkürzung um sie in den Giebel einzupassen. Indessen bleibt
diese Verkürzung noch weit von derjenigen entfernt, welche
wir auf einer Relieffläche zu sehen gewohnt sind, und da die
zuvorderst liegenden Teile und sämmtliche Arme ganz rund
gearbeitet sind, so wirkte auch diese Gruppe wie eine freie
Skulptur. Den Typhon im Giebel darzustellen war eine ganz
ähn liche Aufgabe wie am Ostgiebel des Zeustempels von Oly m-
pia die Wiedergabe der Viergespanne, auch dort hat der Bild-
hauer zu dem Mittel greifen müssen, die der Wand zunächst

1 Archäologischer Anzeiger 1889 S. 12.
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