Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 122
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POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

stehenden Pferde reliefartig zu 'verkürzen und doch bleibt das
Ganze eine statuarische Gruppe. Dass nun der Meister des
Typhongiebels den Typhon trotz seiner drei Leiber nicht so
hoch wie den Tritongiebel sondern nur bis zu der Höhe von
42 cm ausarbeitete, liegt an den besonderen Beschränkungen,
welche dem Künstler hier auferlegt waren. Den Tritongiebel
füllen die beiden Fabelwesen und die liegende Gestalt des He-
rakles, bei allen drei Figuren war die Anwendung kolossaler
Verhältnisse innerhalb des gegebenen Raumes möglich, wäh-
rend die beiden aufrechten menschlichen Körper des Typhon-
giebels in ihrer Höhe und damit zugleich in ihrer Breite be-
schränkt waren. Gesetzt man hätte Typhon und Echidna in
einem ebenso hohen Relief wie Triton und Herakles gearbei-
tet, was wäre die Folge für die übrigen Figuren des Giebels
gewesen ? Da diese in ihrer Höhe beschränkt sich nicht kräfti-
ger hätten entwickeln können, so wäre der Gegensatz zu der
Masse ihrer Gegner nur noch schärfer, der Sieg der Götter nur
noch unwahrscheinlicher geworden. Man hätte die Körper der
Götter von der Wand abrücken müssen, mit welcher sie nur
durch schmale Stege hätten verbunden bleiben können. Viel-
mehr gab für den Meister, welcher ein Relief schaffen wollte,
in dem alle Gestalten in voller Körperlichkeit erschienen, die
Schulterbreite des Zeus das natürlichste und beste Maass für
die Höhe des Reliefs ab. Denn dass er auch Herakles und Zeus
in statuarischer Freiheit gebildet hat, lehren die erhaltenen
Reste; vor allem dass er bis auf den Grund ohne reliefartige
Verkürzung gearbeitet hat, beweist der linke Arm und die
linke Hand des Zeus, welche beide rund und voll an der Gie-
belwand ansitzen bezüglich ansassen. Durch die freie Bildung
der Laufenden entstand hier dasselbe Problem wie hei der Nike
von Delos und man möchte gern wissen, wie unser Meister
die grossen Schwierigkeiten überwunden hat, welche ihm na-
mentlich die im Vordergründe befindliche rechte Seite des
Zeus bereiten musste. Bei der Lösung der Aufgabe wird das
ausgebildete Anstückungssystem und der Bleiverguss eine grosse
Rolle gespielt haben. Der Blitz, an welchem die bearbeitete
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