Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 123
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POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS

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Rückfläche beweist dass er nicht an der Giebel wand ansass,
sondern frei schwebte, muss am oberen Geison befestigt ge-
wesen sein.

Ähnliche Verhältnisse zwangen auch bei den kleinen Gie-
beln zu verschiedener Relieferhebung. Die breit auf der Grund-
fläche aufsitzenden Körper des Triton und Herakles luden zu
einer rundlichen Bildung ein, und so sind sie bis zu einer
Höhe von 20 cm ausgearbeitet worden. Aber im Hydragiebel
konnte eine gleiche Relieftiefe an den Gliedmaassen des Hera-
kles, hei den Beinen der Pferde, hei dem Rade des Wagens,
kurz auf der ganzen linken Seite, ja auch auf der rechten bei
den Köpfen der Schlange nicht ausgenutzt werden, ohne dass
plumpe Massen in Verbindung mit dem eben verlaufenden
Grunde des Giebelfeldes stehen blieben. Da ausserdem die hier
verwendete Sorte Kalkstein so löcherig ist, dass die verbin-
denden Teile keinesfalls als schmale Stege gebildet werden
konnten, so verstehen wir es vollkommen, weshalb der Bild-
hauer, der am Tritongiebel eine höhere Reliefbildung bevor-
zugt hatte, hier die Anwendung des flachesten Reliefs (3-4cm)
für gut befand. Die Verschiedenheit des Eindruckes, welche
entstehen musste, scheint er durch eine um so lebhaftere und
abwechselungsvollere Färbung des Hydragiebels ausgeglichen
zu haben.

Der Hydragiebel auf der einen, die beiden grossen Giebel
auf der andern Seite stellen die beiden Extreme des Reliefs
überhaupt dar und beide Extreme gehören ausser allem Zwei-
fel im Wesentlichen einer und derselben Epoche an. Die atti-
schen Bildhauer vom Anfang des sechsten Jahrhunderts ver-
fügen also bereits über zwei Reliefarten: über das Flachrelief,
dessen Vorbild das Gemälde auf der Fläche ist, und über das
statuarische Relief, bei dessen Arbeit die freie Statue vor-
schwebt1. Es ist geraten gegenüber der Rohheit und der ober-
flächlichen Auffassung der meisten Formen in diesen Reliefs,

1 Vgl. Koepp, Der Ursprung des Hochreliefs beiden Griechen, Jahrhuch
1887 S. 118.
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