Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 144
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IASOS

Ich hege dagegen begründete Zweifel. Schon die Kleinheit
der Stadt muss auffallen im Verhältnis zu ihren Leistun-
gen als Glied des attischen Bundes: die Zahlung von einem
Talent ist keineswegs unbedeutend, sie bezeichnet vielmehr
eine Stadt, welche in ihrer Machtstellung die Mitte hält zwi-
schen den ganz grossen wie Ephesos, Teos und den wirklich
kleinen Bundesstädten1. Weit bedeutsamer noch ist die voll-
ständige Neuschöpfung der Stadt frühestens Anfang des IV
Jahrhunderts, welche die erhaltenen Trümmer uns anzuneh-
men zwingen. Es findet sich nicht die geringste Spur, weder
innerhalb des Mauerrings, noch in der Umfassungsmauer seihst,
die auf eine ältere Zeit deutete. Und doch ist angeblich lasos
in der in Frage stehenden Zeit nie gründlich zerstört worden2,
(vgl. Hicks 85 ff.).

Schliesslich aber sind auf den Höhen unmittelbar westlich
von lasos die Beste einer gewaltigen Stadtmauer erhalten (vgl.
den Plan), die einer älteren Zeit angehört und bei der engen
Nachbarschaft zu dem lasos des IV Jahrhunderts in irgend-
welcher Beziehung stehen muss.

Die Mauer folgt genau dem Bande der Höhen, die ziemlich
gleichförmig nach dem Meere und nach den Landseiten abfal-
len: sie steht auf der Nordhälfte mit geringen Unterbrechun-
gen noch in einer Ausdehnung von rund 3500 m, etwa zwei
Fünftel ihres ganzen Umfangs, aufrecht, und ist an einzelnen
Stellen bis 5,5 m hoch erhalten. Die Stärke beträgt im Durch-

•* Nur die ionischen und karischen Städte lassen sich zu einer engeren
Vergleichung heranziehen, da für sie allein dieselben Verhältnisse gelten wie
für lasos. Und wenn wir unter diesen wieder nur die uns der Lage und dem
Umfang nach wohl bekannten auswählen, so stehen Lebedos, Myrina, Priene,
Herakleia am Latmos, Mylasa in der Blütezeit des attischen Bundes mit
lasos auf derselben Tributstufe, obwol sich die kleine Inselstadt räumlich
mit keiner dieser Städte messen kann. Andererseits zahlt Kaunos die Hälfte,
Euromos ein Viertel, Bargylia ein Sechstel, Myndos ein Zwölftel von dem
iasischen Tribut.

2 Die Erstürmung der Stadt i. J. 412 (Thuk. VIII 28 vgl. u.) kann keine
gründliche Zerstörung nach sich gezogen haben, da Tissaphernes den Platz
festhält und mit einer Besatzung belegt (Thuk. VIII 28,4. 29,1).
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