Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 151
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IASOS

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Damals ist Lysander der spartanische Nauarch vom jünge-
ren Kyros, der zu seinem erkrankten Vater reist, als Stellver-
treter in der grossen sardischen Satrapie eingesetzt worden.
Und mit Keckheit und Gewandtheit nutzt er die grosse Macht,
die ihm auf einmal zugefallen ist, um seinen athenischen Geg-
nern zu schaden. Wir hören von Streifzügen gegen verschie-
dene Inseln (Plut. Lys. 8), von der Erstürmung der Stadt
Ivedreai im keramischen Golf, wegen ihrer einstigen Bundes-
genossenschaft mit Athen (Xen. Hell. II 1,15 vgl. I 4,8. Bull,
de corr. hell. X 1886 423-428), von der Zerstörung von lasos
aus dem gleichen Grunde (Diod. a. 0.), endlich von einer
Fahrt nach den attischen Küsten (Diod. a. 0. 8. Plut. a. 0.).
Lysander konnte hier seiner rücksichtslosen, ungebändigten
Natur freien Lauf lassen : ausser dem Gefühl der Rache gegen
Athen trieb ihn bei lasos’ Vernichtung wol noch der Hass
gegen Tissaphernes, dem er sein schwankendes Benehmen

a. 0. die Diodorstelle gar nicht erwähnt, doch liegt die Vermutung so nahe,
stimmt so vorzüglich zu den erhaltenen Resten, und passt so gut in den ge-
schichtlichen Zusammenhang (vgl. u.), dass man sich nur mit Absichtlich-
keit dagegen sträuben kann. Für die mehrfach geäusserte Ansicht, dass die
von Xenopbon II 1,15 erzählte Erstürmung von Kedreai durch Lysander
und die von Diodor berichtete Zerstörung von lasos ein und dasselbe Ereig-
niss bezeichnen sollten, mangelt jeder Grund. Der Vorschlag von J. P. Six,
Numism. Ckronicle VIII 1888 S. 107 A. 39 für ©dcrov, ®da(0ap)ov zu schreiben
(©asOaprjs kommen in den attischen Tributlisten 0. I. A. 1 229. 231. 239 vor)
ist ausserordentlich scharfsinnig aber nicht nötig. Abgesehen davon, dass
wir gar nicht wissen wo Thastharos lag und ob es am Meer lag, ob es 405
noch auf Athens Seile stand, ist die Lesung "Iaaov mindestens ebenso ein-
fach oder einfacher als ©daOapov. Dass Tissaphernes, nachdem er die Stadt
i. J. 412 besetzt hatte, in lasos gemünzt hat, verträgt sich mit der Zerstörung
i. J. 405 ebenso gut, wie die aus der Zeit nach 394 stammende Bundesmünze
(vgl. Six a. 0. 106 11'.).

Gerade aus den Kämpfen, welche die Stadt innerhalb der kurzen Zeit von
kaum 7 Jahren zu bestehen hatte, erklärt sich mir die anscheinend geringe
Zahl (800) der gefangenen Bürger, die Lysander töten lässt. Die bei den
Erstürmungen i. J. 412 und 405 Gefallenen sind von der Zahl natürlich ab-
zurechnen, ausserdem sind jedenfalls viele geflohen (vgl. u.).

Dass sich lasos in der Zeit zwischen 412 und 405 von Tissaphernes'
Herrschaft freigeniacht hat, ist nicht wahrscheinlich. Lysander’s Angriff galt
wol auch mit Tissaphernes (vgl. u.).
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