Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 152
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IASOS

nicht vergessen hatte, und nun einen seiner wichtigsten See-
plätze nehmen konnte1.

Eine Stadt Iasos gab es nicht mehr am Ausgang des V Jahr-
hunderts, aber Bürger von Iasos, ausgewanderte, verbannte
waren noch vorhanden, und als im Jahre 394 durch die
Schlacht von Ivnidos Sparta’s Macht in Asien gebrochen war,
als Athen, zu dem Iasos auch im peloponnesischen Kriege
treu gehalten hatte, wieder emporkam, da trieb die Heimatlo-
sen das dem antiken Menschen so eigene Heimatsnefühl wie-
der an die frühere Stätte zurück. Die Zahl der Bürger war
aber nicht mehr gross genug, um den Raum der alten Stadt
zu füllen, deshalb haute man diese nicht wieder auf und sie-
delte sich auf der kleinen Insel, die die Hafeneinfahrt deckte,
an2. Die Steine für den Bau der neuen Stadt und ihrer Mauern
nahm man von den Trümmern der alten; man brauchte die
Blöcke der alten Umfassungsmauer nur den Abhang hinunter
zum Meere zu rollen, und konnte von dort sie leicht nach je-
dem Punkte der Insel bringen. Aus den grösseren Steinen wur-
den die schönen Quadern für die Verkleidungsschichten der
Stadtmauer gearbeitet, während die grösseren Brocken des Ab-
falls für die Füllschicht benutzt wurden. So erklärt es sich,
dass gerade die der See zugekehrte grössere Hälfte der alten
Mauer bis auf jede Spur verschwunden ist. Später mag auch
noch dann und wann ein Stück abgebrochen worden sein, um
dem Bau von Grabmälern, die an dem Hügel der alten Stadt
sich ausbreiten3, zu dienen.

1 Über Tissaphernes’ Wankelmut vgl. die übersichtliche Zusammenstellung
bei Krumbholz De Asiae min. salr. Pers. 1883 S. 37 if. 43; über Iasos’ wich-
tige Lage Alh. Milth. XII 345. Deren Bedeutung bleibt bestehen, auch wenn
die weiteren von mir daran angekniipften Vermutungen dadurch, dass das
von mir als Pedasa bezeichnete Trümmerfeld neuerdings glaubhafter für
Theangela in Anspruch genommen wird (vgl. Class. Rev. III 1889 139), fallen.

2 Ein vollständig übereinstimmendes Beispiel für denselben Vorgang bie-
tet Klazomenai, das schon im Anfang des V Jahrhunderts vom Festland auf
die demselben vorgelagerte Insel verlegt wurde (Strabo XIV 645. Paus. VII
3,9 vgl. Labahn, De rebus Clazomeniorum Diss. Greifswald 1875 8 ff.).

3 Die von Texier S. 140 f. für lelegisch erklärten Plattengräber werden
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