Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 164
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GLADIATORENRELIEF DES MUSEUMS ZU TRIEST

Kleinasiatische, auf Gladiatoren bezügliche Inschriften und
Darstellungen haben uns schon mancherlei Abweichungen von
der gewöhnlichen Regel gezeigt, die in den westlichen Provin-
zen des römischen Reiches fast ausnahmslos gewahrt blieb.
So bietet auch das triester Relief mit seinem Podium und der
zuletzt erwähnten Inschrift Neues. Das Erstere könnte vielleicht
zu gleicher Zeit einem doppelten Zweck gedient haben. Wie
wir nämlich auch diesem Relief entnehmen können und wie
es in der Natur der Sache lag, konnte ein siegreich vordrin-
gender Gladiator nicht ebenso plötzlich den Kampf abbrechen,
wie der unterliegende. Meist sehen wir daher, wie ein Auf-
seher den Angreifer zurückhalten muss, und wo dieser fehlt,
kann man annehmen, dass die Rufe der Zuschauer dies tha-
ten. Doch lässt sich auch denken, dass ein erhöhtes Podium,
auf welches der Schwächere sich zurückzog, und welches dem
Stärkeren immerhin eine bestimmtere Grenze zo°\ als es der

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gleichmässig ebene Roden der Arena vermochte, diesem Zwecke
diente. Zugleich aber war es vielleicht erwünscht den Ort zu
erhöhen, wo der Gladiator, wenn ihm das Volk seine Ritte
um Entlassung nicht erfüllte, sterben sollte. Auf diese Weise
konnten die Zuschauer die Mienen des Sterbenden besser
sehen. Man hätte dann ein ähnliches Verfahren eingeschla-
gen, wie der Spielgeber bei Petron, dem man es nachrühmte,
dass er die Todtenkammer, in welche die Fechter oft geschleppt
wurden, bevor der Tod wirklich eingetreten war, mitten in
die Arena bringen wollte; vgl. Cap. 45: ferriim Optimum
daturus est, sine fuga, carnarium in medio, ut amphi-
theatrum videat.

Die beiden anoeoebenen Zwecke würden sich nicht allein

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nicht ausschliessen, sondern sich sogar auf das Reste ergänzen.
Der Resiegte bestieg das Podium, um vom eigentlichen Kampfe
befreit zu sein und um , wenn die Entlassung nicht erteilt
wurde, dort oben den Todesstoss zu empfangen.

W as die Inschrift ä-skuÖT) Iccd Xouclou betrifft, so könnte es
auf den ersten Blick scheinen, als ob sich dieselbe auf die Ent-
lassung des Fechters aus dem ludus, der Gladiatorenschule
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