Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 168
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METROLOGISCRE BEITRAEGE

weisen versucht, dass diese Bauten nicht nach einem solchen
Fusse, sondern nach dem solonischen oder griechisch-römi-
schen Fasse von 0,296™ erbaut seien. Die Beweise für das
Vorkommen beider Fussmasse an jenen Bauten stützten sich
zum grossen Teile auf Zusammenstellungen von Abmessungen
antiker Bauteile und ihre Gleichsetzung mit runden Beträten
antiker Fussmasse. Dass ein solches Verfahren leicht zu Irr-
tümern führen kann, hatte ich schon Ath. Mitth. VII S. 292
betont. Ich glaubte dieselben aber dadurch möglichst vermie-
den zu haben, dass ich zunächst von den kleinen Gliederungen
eines Bauwerkes ausging und das hei diesen gefundene Liin-
genmass an den grösseren Abmessungen controllirte. Ich hin
jetzt überzeugt, und es wird sich das im Laufe unserer Unter-
suchung von selbst ergeben, dass jene Berechnung trotzdem
zu einem falschen Resultate neführt hat.

O

Wie aber soll man das einem Gebäude zu Grunde liegende

D

antike Fussmass ermitteln, wenn die Zusammenstellung auch
noch so vieler Messungen keine Garantie für die Richtigkeit
des Resultates bietet? Ein vollkommen sicheres Resultat ist
meines Erachtens nur dann zu erreichen, wenn hei einem
Bauwerke inschriftlich überlieferte, sichere Massangahen vor-
liegen, und dieselben mit den wirklichen Abmessungen des-
selben verglichen werden können. Je grösser die Zahl dieser
Angaben ist, um so mehr werden die Resultate der Verglei-
chung sich gegenseitig ergänzen und berichtigen.

Dieser günstige Fall liegt bei griechischen Bauten fast nie-
mals vor. Wir besitzen zwar hei einigen derselben genaue und
sichere Angaben über ihre Abmessungen, aber die entsprechen-
den Dimensionen sind gewöhnlich jetzt nicht mehr nachmess-
bar. Es giebt jedoch ein noch wohl erhaltenes griechisches
Gebäude, dessen Abmessungen zum Teil mit inschriftlich über-
lieferten Angaben über ihre Grösse verglichen werden können,
nämlich das Erechtheion in Athen. Der Commissionsbericht
aus dem Jahre 408/7 über den Zustand dieses Tempels (C. /. A.

I 322) enthält mehrere Massangahen solcher Steine des Ge-
bäudes, welche jetzt noch vorhanden sind, z. B. der Wand-
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