Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 171
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METROLOGISCHE BEITRAEGE

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er damals der gewöhnliche attische Längenfuss ge-
wesen sein.

Haben wir aber einmal gefunden, dass der attische Fuss des
V. Jahrhunderts annähernd 0,33 m betrug, so können wir seine
genaue Grösse leicht ermitteln, wenn wir diejenigen grösse-
ren Abmessungen des Erechtheion und andrer Bauten zum
Vergleich heranziehen, welche augenscheinlich runden Beträ-
gen von Fussen entsprechen.

Die ganze Innenbreite des Erechtheion, welche 7 i/2 Quader-
längen entspricht, misst 9,83ra in der Höhe der Orthostaten
und 9,85“ in der Höhe der Wandquadern. Nehmen wir diese
Masse zu 30 Fussen oder 20 Ellen, so erhalten wir einen Fuss
von 0,328™ und eine Elle von 0,492™. Das Mittelschiff des
Parthenon hat gerade dieselbe Breite von 9,81 bis 9,82™, was
ebenfalls zu 30 Fussen gerechnet, einen Fuss von 0,327™ er-
giebt. Der Radius der Orchestra im Theater des Lykurg in
Athen zeigt wiederum dasselbe Mass von 9,81 ™, woraus wir
ebenso einen Fuss von 0,327™ ableiten. Die Säulenhöhe des
Parthenon beträgt 10,44™ und liefert zu 32 Fuss genommen
einen Fuss von 0,826™. Aus der Säulenhöhe der Propyläen,
welche 8,84™ beträgt, können wir, wenn wir dieses Mass
gleich 27 Fuss setzen, einen Wert von 0,327™ berechnen.
Die Axweiten der Innensäulen in der Eumenes-Stoa messen
4,91™, was offenbar 15 Fuss (bez. 10 Ellen) von 0,327™
entspricht.

Diese Beispiele, welche ich noch beliebig vermehren könn-
te, führen übereinstimmend auf einen Längenfuss von 0,326
bis 0,328 ™. Wir lernen daraus, dass der attische Fuss etwas
kleiner war, als 0,33™ und zwar muss der Normalbetrag zwi-
schen den genannten Grenzen gelegen haben.

Wir sind in der glücklichen Lage, diese Berechnung noch
auf einem andern Wege controlliren zu können. Die Ostcella
des Parthenon hiess offiziell 6 vsco; 6 exaTogTCsSo;, weil sie 100
Fuss lang war. Vor den Perserkriegen führte, wie durch eine
demnächst von H. G. Lölling zu publicirende Inschrift gesi-
chert ist, der alte Athenatempel diesen Namen. Beide Bauten
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