Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 172
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METROLOGISCHE BEITRAEGE

müssen demnach, wenn unsere Darlegungen richtig sind, etwa
33 m messen. Die Cella des Parthenon hat einschliesslich der
beiden Quermauern eine Länge von 32,84 “, sie ist also 100
Fuss von je 0,328 “ lang. Die Länge des alten Athenatempels,
ohne die später zugefügte Ringhalle, beträgt in den Fundamen-
ten 34,5“, also wenn man den Üherstand des Fundaments und
eine Stufenbreite zweimal abzieht, etwa 33,5“ in dem Stylobat
und etwas über 33“ in der Architravlänge. Auch hieraus er-
giebt sich ein Fuss von etwa 0,33“, nach der Parthenoncella
genauer zu 0,328 “.

Auf Grund dieser verschiedenen Berechnungen dürfen wir
die Grösse des attischen Fusses in maximo auf 0,328™festsetzen.

Jedem wird sich nun wohl die Frage aufdrängen: wie steht
es denn mit dem solonischen Fuss von 0,296“? Ist derselbe
überhaupt in Athen nicht im Gebrauch gewesen? Dass dieser
Fuss dem solonisch- attischen Mass- System zu Grunde liegt,
und dass wir daher berechtigt sind, ihn den solonisch-atti-
schen zu nennen, unterliegt keinem Zweifel. An den atheni-
schen Bauten der vorrömischen Zeit scheint er aber nicht vor-
zukommen, und daher ist es sehr fraglich, oh er überhaupt in
dieser Zeit auf irgend einem Gebiete des öffentlichen oder pri-
vaten Lebens in Athen selbst im Gebrauch gewesen ist. In
den andern Städten, in welchen der attisch - euböische Münz-
fuss galt, z. B. in Korinth und in mehreren Städten Siziliens,
kann der Fuss von 0,296“ sehr wohl der gewöhnliche Längen-
fuss gewesen sein.

Die zunächst auffallende Erscheinung, dass die Athener den
solonischen Fuss gar nicht benutzt haben sollten, erklärt sich
leicht, wenn wir uns daran erinnern, dass das von Solon ein-
geführte Gewicht ebenfalls in der vorrömischen Zeit im täg-
lichen Leben keine Anwendung gefunden hat. Nur bei Silber,
d. h. bei der Münze, wurde es gebraucht, als Handelsgewicht
bediente man sich des alten vorsolonischen äginäischen Gewich-
tes. Das wissen wir aufs Genaueste aus der bekannten In-
schrift aus dem I. oder II. Jahrhundert vor Chr., welche die
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