Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 173
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METROLOGISCHE BEITRAEGE

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Normirung des Handelsgewichtes nach solonischem Gewichte
vorschreibt (C. I. A. II 476).

W ie das vorsolonische Gewicht trotz der solonischen Mass-
reform noch mehrere Jahrhunderte hindurch als gewöhnliches
Handelsgewicht im Gebrauch blieb, so ist auch das vorsolo-
nische Fussmass nicht abgeschafft, sondern noch lange Zeit
allgemein benutzt worden. Diese Annahme wird bestätigt
durch die wichtige Thatsache, dass dieser Längenfuss von
0,328 m zu dem äginäischen Mass-System gehört. Er bildet die
Grundlage dieses Systems. Denn wie das Wassergewicht eines
Cubikfusses von 0,296 dem solonischen Talente von 25,9 Klg.
entspricht, so ist das Wassergewicht eines Cubus von 0,328111
gleich dem äginäischen Talent von 35,3 Klg.

Alles, was wir über das ältere'athenische oder äginäische
Talent wissen, ist von F. Hultsch in seiner Metrologie (S.199)
in vorzüglicher Weise zusammengestellt. Er kommt dabei zu
dem Resultate, dass das Normalgewicht etwas höher gewesen,
als wir annehmen, nämlich 35,7 bis 37,2 Klg. Diese Differenz
erklärt sich teils daraus, dass er für das attisch-solonische
Talent einen höhern Betrag annimmt und so auch für das
daraus berechnete ältere Talent eine grössere Zahl erhält,
teils aber daraus, dass er auch hier als Normalgewicht nicht
das Durchschnittsgewicht aller gut erhaltenen Münzen, sondern
das Maximalgewicht der besten Stücke nimmt. Aber selbst
wenn wir das äginäische Talent hiernach neu bestimmten,
würde immer noch eine kleine Differenz gegen obigen Betrag
von 35,3 Klg. übrig bleiben. Man könnte geneigt sein die-
selbe dadurch vollkommen auszugleichen, dass man den Län-
genfuss von 0,328 ein wenig erhöht, etwa auf 0,330111 (vergl.
Nissen, Metro]. S. 35); man erhält alsdann als Wassergewicht
eines solchen Cubikfusses 35.9 Klg. Allein eine solche Erliö-
hung des Fusses ist wenigstens für Athen nicht zulässig, denn
nach meinen mehrjährigen Messungen und Beobachtungen ist
0,328m schon ein Maximalwert, über den man keinenfalls hin-
ausgehen darf. Nach den athenischen Bauten dürfte man eher
den Fuss um 1mm verringern,

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