Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 175
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METROLOGISCHE BEITRAEGE

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dieselben zu viel Raum beanspruchen würden. Einige Bei-
spiele mögen genügen.

Die Stadtmauer von Mantinea hat zahlreiche Türme, wel-
che in gleichen Abständen erbaut sind. Man darf daher vor-
aussetzen, dass runde Masse vorliegen. Thatsächlich sind nun
auch, wenn wir den Fuss von 0,328m zu Grunde legen, die
Türme meist gerade 20 Fuss breit, 80 Fuss von einander ent-
fernt und springen 12 Fuss vor die Mauerlinie vor, die Ab-
stände der Türme, von Mitte zu Mitte gerechnet, betragen
also gerade 100 Fuss. So habe ich z. B. die Abstände von 5
Türmen an der Südseite im Ganzen zu 163,90m gemessen,
ein Mass, das genau 500 Fussen von je 0,328m entspricht, ln
Phigalia giebt es nach der Messung A. Blouet’s ebenfalls Tür-
me, die gerade 20 Fuss breit sind ; einer derselben springt
genau 30 Fuss vor die Mauer vor. Auch in Olympia ist der
Fuss von 0,328m nachweisbar. Die älteren Bauten sind nicht
nach dem am Stadion daselbst vorhandenen Fusse von 0,3206m
gebaut, wie ich früher glaubte, sondern auch bei ihnen ist der
äginäische Fuss von 0,328m angewendet. So messen z. B. am
Zeustempel: die Säulenhöhe 10,44™ = 32 Fuss (früher 321/2),
die Axweite der Säulen 5,23™= 16 Fuss (gegen 161/4), der
Abakus der Säulen 2,61™ = 8 Fuss (früher 8 1 /s)• c^e Breite
des Mittelschiffes 6,52™ = 20 Fuss. Ferner am Heraion da-
selbst die Säulenhöhe 5,22™= 16 Fuss, die Axweite der Säu-
len an den Langseiten 3,27™= 10 Fuss. DasPrytaneion ist 100
Fuss im Quadrat, also gerade ein Plethron gross.

Schon aus diesen Beispielen ergiebt sich zur Genüge, dass
der äginäische Fuss im Betrage von etwa 0,328™ im Pelopon-
nes sehr verbreitet war. Er ist offenbar überall, wo die ägi-
näische Münz Währung herrschte, als Längenfuss im Gebrauch
gewesen. Da wir aus dem Beispiele Athens sehen, dass er so-
gar über den Geltungsbereich der äginäischen Währung hin-
aus, als der Fuss bekannt und benutzt war, so sind wir wei-
ter berechtigt, ihn nach einem von Hultsch eingeführten Aus-
druck den gemeingriechischen Fuss zu nennen.

Auf Grund unserer Darlegungen dürfen wir den Schluss
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