Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 176
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METROLOGISCHE BEITRAEGE

ziehen, dass überall, wo in attischen Inschriften oder hei atti-
schen Schriftstellern der vorrömischen Zeit Grössenangaben
in Fussen oder Ellen vorliegen, der Fass von 0,328 m und die
Elle von 0,492“ gemeint sind. In Bezug auf Herodot kann
man zunächst zweifeln. ob er auch im Allgemeinen diesen
Fuss und diese Elle benutzt. Er kannte mindestens 4 verschie-
dene Ellen, den pirpto?, ßacOVto<;, crapuoi; und ouyuTmcx; •Kr\jy<;.
Von diesen ist der pirpto? offenbar diejenige Elle, nach

welcher er gewöhnlich zu messen pflegt. Nach dem Scholia-
sten zu Lucians Kataplus 16 (Hultsch, Metr. S. 46 Anm. 2)
hiess sie auch die private und gemeine Elle (orr/.6<; xoä xoivo?).
Da in Athen der Fuss von 0,328“ und .die Elle von 0,492“
die im täglichen Leben üblichen Masse waren, im Gegensätze
zu dem der staatlichen Münze zu Grunde liegenden Fuss von
0,295“, so sind jene Epitheta des Scholiasten gerade für un-
sere Elle sehr passend.

Wir können aber auch aus einer Stelle Herodots direkt be-
weisen, dass er gewöhnlich nach der Elle von 0,492“ rechnet.
Er beschreibt nämlich (I 60), wie Peisistratos sich durch eine
als Athena verkleidete grosse Frau nach Athen zurückbringen
liess,und fügt seiner Erzählung, offenbar, um sie glaubhafter
zu machen, die Bemerkung hinzu, dass jene Frau 4 Ellen
weniger 3 Daktylen gross, im Übrigen aber wohlgestaltet ge-
wesen sei. Legen wir hier eine Elle von 0,444“ zu Grande,
wie ich sie früher dem Herodot zuschrieb, so erhalten wir als
Grösse der Frau 1,72“, während sich bei einer Elle von 0,492“
eine Grösse von 1,91“ ergiebt. Es ist ohne Weiteres klar, dass
nur der letztere Wert in Betracht kommen kann; denn eine
Frau von 1,72 war durchaus keine auffallende Erscheinung.

Der gsTpio? izrijyt; des Herodot ist daher sicher die äginäisch-
attische Elle von 0,492“. LTm 3 Daktylen grösser als diese
gemeine oder mässige Elle war ferner, wie Herodot I 178 an-
giebt, die königliche Elle, nach welcher die Mauern von Ba-
bylon erbaut waren. Dieselbe hatte demnach eine Länge von
0,554“. Gerade einen solchen Betrag haben aber Oppert und
Dieulafoy für die orientalische Elle erwiesen, und Nissen
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