Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 181
DOI Heft: 10.11588/diglit.29171.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.19
DOI Seite: 10.11588/diglit.29171#0191
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1890/0191
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
METROLOGISCHE BEITRAEGE

isi

Herodot die Höhe der Pyramiden im Möris-See nicht selbst
gemessen hat, versteht, sich von selbst, denn dieselben standen
bis zur halben Höhe im Wasser; er benutzt also eine schrift-
liche oder mündliche Quelle. War es eine griechische Quelle,
welche die Höhe in gewöhnlichen griechischen Massen angab,
so brauchte er diese Angabe nur zu wiederholen, ohne einen
Commentar hinzuzufügen. War es dagegen ein fremdes Mass,
so war ein erklärender Zusatz nicht nur wünschenswert, son-
dern sogar notwendig. Bei ähnlichen Gelegenheiten pflegt er
stets solche Zusätze zu machen. Während sie sich gewöhnlich
auf die Grösse des angewendeten Massstabes beziehen, soll der
Zusatz hier den Aufbau des angewendeten Mass-Systems er-
klären. Bei unbefangener Betrachtung der Worte Herodots
hört man aus denselben sehr wohl heraus, dass er noch ein
anderes Stadion als das ic,6cxksöpov, noch eine andere Orgyia
als diejenige von 6 Fussen und noch eine andere Elle als die
von 6 Handbreiten kennt.

Ist es schon hiernach wahrscheinlich, dass das Mass-Sy-
stem, dessen Aufbau er hier angiebt, nicht das gewöhnliche
griechische System ist, und dass also das o-tgcchov i^ccTikeÖpov
nicht dasjenige ist, nach welchem er gewöhnlich seine Län-
genangaben macht, so können wir aber weiter noch einen di-
rekten Beweis für diese Ansicht beibringen.

An einem bestimmten Beispiel wurde oben (S.176) gezeigt,
dass derjenige Fuss, mit welchem Herodot zu messen pflegt,
der äginäisch-attische von 0,328m ist. Legen wir diesen Fuss
dem eben besprochenen Mass-Systeme zu Grunde, so erhal-
ten wir für das axocSiov iEdivleOpov eine Länge von 197m. Nach
diesem Stadion müsste also Herodot seine Längenangaben ma-
chen. Das thut er aber niemals, denn nach dem einstimmi-
gen Urteil aller Metrologen hat Herodot nach einem Stadion
gerechnet, welches unbedingt kleiner als 180 m war. Es ist da-
her das Stadion Herodots keinenfalls das 600fache seines Län-
genfusses.

Wenn wir uns nun erinnern, dass es in Delphi und Olym>
pia Stadien von 500 Fuss gab, so liegt die Vermutung nahe,
loading ...