Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 190
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DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.20
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KRIEGERSTATUE AUS DELOS

Es ist also unmöglich beide Steine in derselben Schicht des
Monumentes, etwa auf den beiden gegenüberliegenden Seiten,
anzuordnen, und da die lateinische Inschrift keinesfalls eine
andere über sich hatte (die Blöcke tragen die Einarbeitung für
die Statuenplinthe, welche bei dem Stein mit der griechischen
Inschrift nicht vorhanden ist), und die Künstlerinschrift nicht
gestattet, eine zweite Inschrift unter ihr anzubringen, so müs-
sen wir das griechische Fragment ganz aus dem Spiel lassen1.

Mornmsen hat die lateinische Inschrift, mit Einsetzung
eines beliebigen Namens (exempli causa) so ergänzt: [C.
Marium C. f. lega.tum Alexandreae Itcdicei quei fuere
[ibi cum eo virtuCJs beneficique ergo; sicher ist diese Er-
gänzung nicht, aber eines steht in jedem Fall fest: die Basis
trug das Bild des Geehrten. Die erhaltene Statue kann den-
selben nicht darstellen ; der verwundet niedersinkende Krieger
ist kein Römer, und obendrein, wer würde einen römischen
Beamten dadurch zu ehren wagen, dass er ihn im Kampfe
unterliegend darstellt2 ?

Das Denkmal könnte also mit dieser einen Figur nicht ab-
geschlossen sein. Das geht auch aus der erhaltenen Statue
selbst mit Sicherheit hervor. Der Krieger, der mit dem linken
Arm seinen Schild hoch erhoben haben muss und in der Rech-
ten voraussichtlich sein Schwert hielt3 * * * * *, verteidigt sich gegen

1 Nach Graef ist der Stein t,m07 lang, 0,m375 dick und ist auf der Ober-
fläche abgearbeitet bis auf ein rechteckiges Feld, welches sich I3mm hoch
über den Grund erhebt. Dieses Feld liegt 0'11,06 von dem hinteren Rande,
0,m47 von dem rechten Ende entfernt und erstreckt sich fast bis zu dem lin-
ken Ende.— Auch die Dicke des Blockes stimmt also nicht zu der Agasias-
basis; vgl. u. S. 191.

2 Mornmsen hat in der Epliemeris epigraphica V S. 602 trotz der Schwie-
rigkeiten, die ihm nicht entgingen, an dieser Vorstellung festgehalten, die-
selbe aber .jetzt aufgegeben.

3 Reinach (Bulletin 1889 S. 118) nimmt an, dass der schmale Streifen,

der unmittelbar unter der Ansatzfläche der linken Schulter erscheint, Rest

eines Gewandes ist; dann könnte derKrietrer kaum einen Schild halten. Aber

mir scheint es sicher, dass dies das Schwertgehenk ist, und dass das Bohr-

loch an der linken Flanke des Kriegers vom Ansatz der Schwertscheide

herrührt.
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