Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 192
DOI Heft: 10.11588/diglit.29171.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.20
DOI Seite: 10.11588/diglit.29171#0202
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1890/0202
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
192

KRIEGERSTATUE AUS DELOS

tenen Teil der Basis gestanden haben. Zunächst ist nämlich
die Eintiefung auf dem Blocke rechts mindestens 0,m715 breit,
die Plinthe des Kriegers aber nur 0,m68. Sodann sahen wir,
dass rechts von dem niedersinkenden Krieger der zu Pferd
ansprengende Gegner sich befinden musste, und vorausgesetzt
den günstigsten Fall, dass weiter nach rechts nicht noch an-
dere Figuren folgten, muss also diese Reiterfigur ihren Platz
auf der allein uns erhaltenen rechten Ecke der Basis linden.
Wir würden also einen Teil der Basis besitzen, zu dem die
Statue bis auf Bruchstücke verloren gegangen ist. und eine Fi-
gur, zu welcher das betreffende Stück der Basis fehlt. Die Über-
einstimmung zwischen Plinthendicke und Eintiefung zweier
ursprünglich sicher nicht direkt zusammengehöriger Stücke
ist aber offenbar nicht als Beweis für die Zugehörigkeit zu
demselben Denkmal genügend.

Die Beziehung von Statue und Basis aufeinander kann sich
also nicht auf äussere, sondern nur auf innere Gründe stützen.

Legen wir uns also die Frage vor: was wissen wir von dem
Stil des ’Ayacta? M^vocpfkou aus Ephesos, und wie verhält sich
dazu die erhaltene Kriegerfigur? Agasias hat im Jahre 97 v.
Ch. auf Delos gearbeitet, damit ist seine Epoche fixirt; wenn
wir nun weiter vermuten, dass er mit dem ’Ayaaia? AwaiOsou
aus Ephesos, dem Künstler des borghesischen Fechters ver-
wandt, vielleicht sein Vetter gewesen sei (Löwy, Inschriften
S. 205. Reinach, Bulletin 1889 S. 119,2), so wird damit ein
Anhaltspunkt für die so bestrittene Datirung dieses letzteren
gewonnen, für den Stil des ersteren ein solcher nur unter der
weiteren Voraussetzung, dass die Kunstrichtung und Kunst-
fertigkeit beider Vettern gleich gewesen ist. Aber auch dies
wird man geneigt sein zuzugestehen, so vorsichtig man auch
in der Verwertung dieser erschlossenen Thatsachen wird sein
müssen.

Reinach ist von Anfang an lebhaft getroffen gewesen von
der Ähnlichkeit des Kriegers von Delos mit dem borghesischen
Fechter, aber er ist doch immer wieder geneigt, Pergameni-
sches zum Vergleich mit heranzuziehen, und noch mehr scheint
loading ...