Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 194
DOI Heft: 10.11588/diglit.29171.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.20
DOI Seite: 10.11588/diglit.29171#0204
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1890/0204
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
194

KRIEGER STATUE AUS DELOS

mindestens nahe steht, zeigt in dem ganz ähnlich lang ausge-
streckten. fast ausgereckten linken Bein ebensowenig diese
Eigentümlichkeiten, wie im übrigen Körper. Auch hier be-
wundern wir zunächst die meisterhafte Beherrschuns: und
Kenntniss des menschlichen Körpers, und diese Übereinstim-
mung ist es, die sich den ersten Berichterstattern so stark auf-
gedrängt hatte. Aber darüber hinaus treten uns ebenso grosse
Unterschiede entgegen. Der Körper des Kriegers von Delos ist
fleischiger, weicher, man könnte sagen fetter gebildet als der
des borghesischen Fechters. Die vielen Einzelheiten der Mus-
kulatur treten hier nicht so hervor, der Körper ist mit einer
weichen, schwellenden Haut bedeckt, die ihren eigenen Ge-
setzen folgt und sich z. B. am Bauch, den Weichen, der rech-
ten Achsel zu starken Falten zusammenschiebt. Dieser üppig
entwickelte Körper ist weit entfernt von der sehnigen Trocken-
heit des borghesischen Fechters, und ein ähnlicher Unterschied
zeigt sich in der Haarbehandlung, so gering auch der Best ist,
der sich bei dem Krieger von Delos allein zum Vergleich heran-
ziehen lässt. Es ist klar, dass der Künstler dem Haar seine
eigene Entwickelung in freien losen Focken liess. Für Agasias,
des Dositheos Sohn, war das Haar auch nur eine energielose,
ausdruckslose Masse, die dargestellt werden muss, weil sie
nun einmal existirt, die aber auf einen möglichst geringen
Spielraum beschränkt wird ; eng und dicht, und ohne viel
Diebe gearbeitet, schmiegen sich die kurzen Haare beim Fech-
ter an den Schädel an, und die übrige Behaarung des Körpers
wird kaum angedeutet.

Ich glaube also, dass wir verpflichtet sind, die beiden Sta-
tuen von einander zu trennen, und dass damit der letzte Grund
hinfällig wird, den man für die Urheberschaft des Agasias,
des Sohnes des Menophilos, anführen kann.

Wohin aber nun die delische Statue zu setzen ist, habe ich
schon ano;edeutet. und alles, was ich angeführt habe, um ihre
Verschiedenheit von der Art des borghesischen Fechters zu
veranschaulichen, kann andererseits dazu dienen, die Ver-
wandtschaft mit dem Relief des pergamenischen Altares klar
loading ...