Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 195
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KRIEGERSTATUE AUS DELOS

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zu machen, so weit dies ohne ein genaueres Eingehen möglich
ist. Ein Unterschied ist, nach meiner Erinnerung, zwischen
diesen beiden Kunstwerken nur in so weit -vorhanden, als er
zwischen einem sorgfältig ausgeführten Einzel werk und einem
ausgedehnten monumentalen Relief obwalten muss.

Damit ist die kunstgeschichtliche Stellung des Kriegers aus
Delos bestimmt. Wenn ich es wage, noch etwas weiter zu ge-
hen, so bin ich mir wohl bewusst, damit das Gebiet reiner
Vermutungen zu betreten. Dass die Kriegerstatue, welche uns
beschäftigt, einen Gallier darstelle, hat Reinach nicht sicher
behaupten, aber auch nicht in Abrede stellen wollen 1; der Zu-
sammenhang mit der pergamenischen Kunst spricht für die
Auffassung derselben als Gallier; mit Sicherheit lässt es sich
leider nicht erschliessen. Der Helm hat die von dem attischen
und korinthischen verschiedene (H. Droysen in K. F. Her-
mann’s Antiquitäten II, 2 S. 11) Form mit der weiten, das
Gesicht beschattenden und schützenden Krämpe, die beson-
ders seit der Zeit Alexanders beliebt gewesen zu sein scheint2
und deshalb bei einem gallischen Krieger dieser Zeit nichts
auffallendes hätte. Rechts und links stehen kleine Stierhör-
ner von dem Helme ab; Hörner als Schmuck der gallischen
Helme sind bekannt, und man könnte geneigt sein also hier-
auf besonderes Gewicht zu legen obwohl sich Hörner auch
sonst, wenn auch in anderer Weise, an Helmen angebracht
finden (vgl. Ileuzey in Daremberg und Saglio’s Dictionnaire
I, 2 S. 975). Aber eine sehr ähnliche Zier hat doch z. B. der
Helm, den der König Eukratides von Baktrien auf seinen
Münzen trägt3. Wir können also nicht zu völliger Sicherheit
kommen.

1 Vgl. Bulletin 1889 S. 117 und die ausführlichen Erörterungen in der
Revue arclieologique, troisieme serie Xü S. 273. XIII S. 10. 187. 317.

2 Sie zeigt sich z. B. bei dein Genossen Alexanders auf dem grossen Mo-
saik aus Pompei, den Diadochenporlräts bei De Petra und Comparetli Villa
Ercolanese Taf. 20, 4. 5.

a P. Gardner, The coins of the Greek and Scythic kings of Bactria Taf. 5,
7 ff. S. 14.—Gardner sowohl wie Ileuzey a. a. 0. bezeichnen diesen Helm
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