Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 197
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KRIEGERSTATUE AÜS DELOS

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gestellt war. Und wenn wir andererseits den Rest einer Kampf-
darstellung besitzen, den wir stilistisch zu dem grössten Denk-
mal des Eumenes II, dem Altar, stellen mussten, so ist die
Vermutung, dass Epigramm und Statue zusammengehören,
letztere also einen unterliegenden Gallier aus der Gruppe des
Nikeratos darstelle, zu naheliegend. Die ganze Länge der Basis
hat Homolle auf 3m,75 berechnet, sie bietet also reichlich Platz
für den niederstürzenden Krieger und seinen vorauszusetzen-
den berittenen Gegner. Die vortreffliche Arbeit der erhaltenen
Statue macht das Lob des Epigramms (Nooip&Tou eVocpvra epya)
wohl begreiflich, und ist geeignet uns mit hoher Bewunderung
für den Künstler Nikeratos zu erfüllen. Einem Ein wände ist
nur noch zu begegnen. Da von der Basis nur zwei der unteren
Steine, nicht die Deckplatte erhalten ist, lässt sich aus dem
Zustand des Erhaltenen kein Schluss auf das Material der
Gruppe ziehen. Homolle hat aus der Nennung des Hephäst zu
Ende des Epigramms den Schluss gezogen, dass sie aus Erz
bestanden hätte, und man könnte geneigt sein auch das VXa-
otti'jiv in Z. 2 im gleichen Sinne zu verwerten, wenn nicht
die Gegenüberstellung der Dichter und Erzgiesser einen schie-
fen Gedanken ergäbe, und tDActt)<; nicht auch ebenso gut den
eigentlichen Bildhauer bezeichnete (Blümner, Technologie 11 S.
3). Ebenso wenig scheint mir die Erwähnung des Hephäst in
dieser Weise für Erzguss zu beweisen. Hephäst ist ja selbst
gar nicht besonders Erzgiesser sondern Schmied, sowohl des
Erzes als edlerer Metalle, daneben auch Baumeister: er wird
hier aber gar nicht für diese technische Seite seines Wesens
angerufen, nicht als Gott des Feuers, sondern zum Beweis
der hohen künstlerischen Vollendung des Werkes, und eine
solche ist vom Material unabhängig. Wenn es in dem be-
kannten Epigramm (Anthologie XVI 84) heisst

Oüx, ä(fo.Y)<; l'ypa^s Ktgcov tx&s' ttjcvti V I—’ spyco

y.oj’j.og, ov ouV vipoo; AaiSotXo; s^scpuysv

so zeigt uns das eypa^e, dass es sich um ein Gemälde han-
delt, und niemand wird aus der Erwähnung des Dädalos ein
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