Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 202
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1 cm
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20?

RELIEFS AUS THESSALIEN

yon oben nach unten die in ziemlich unsicheren Zügen, ge-
schriebene Inschrift N E I A

Taf. VIL Stele aus Tyrnavo, 1,23™ hoch, unten 70cm, oben
66,5cm breit, lbcm dick, Relief höhe 3,5cm.

Eine Frau in einfachem Chiton (was unterhalb der Kniee
als. Saum eines zweiten Gewandstückes erscheinen könnte, ist
nur Bruch) sitzt nach r. auf einem Lehnstuhl mit geschweif-
ten Beinen, die Füsse auf einen Schemel gestützt. Das Haar
ist ganz mit einem Tuche (Binden) umhüllt, vom Hinter-
kopfe fällt ein langer Schleier über den Rücken herab (die
Enden kommen unter dem Sitzbrett zum Vorschein), über der
Stirn erhebt sich ein eigentümlicher runder Aufsatz, den ich
nicht zu erklären, auch nicht mit gleichartigen Monumenten
zu beleben weiss. Unklar bleibt auch in Folge der Erhaltung
die Bedeutung der länglichviereckigen senkrechten Vertiefung
zwischen den Stuhlbeinen; vor dem Originale schien sie
mir ursprünglich, nicht etwa Verletzung zu sein. Auf dem
Schosse hält die Frau mit beiden Händen ein langbekleidetes
Rind, das mit der L. sich an ihren (ganz verzeichneten) 1. Arm
klammert, mit der R. nach einem Vögelchen langt, das ein r.
vor der Sitzenden stehender Jüngling ihm hinreicht. Dieser ist
nach links gewendet ziemlich ungeschickt in den Raum com-
poni’rt; er hält mit der R. das Vögelchen vorsichtig an beiden
Flügeln, die L. scheint in den herabhängenden Chlamyszipfel
zu fassen.

Figur 1 gibt in Umrisszeichnung ein Relief aus Tyrnavo

■* An dieser Slelle will ich auch eines Monumentes Erwähnung thun,
Avelches sicher in diesen Kreis gehört, aber, obwohl lange veröttenllichl, doch
bisher von keiner Seite Beachtung gefunden hat. Ich meine das von Heuzey,
Mission de Macedoine Taf. 24, 2 ahgebildele und S. 417 besprochene Relief-
fragmenl, welches er in Pharsalos fand; ich habe es daselbst nicht ge-
sehen. Erhallen sind bloss die Beine einer nach rechts gewandten, bis an
die Knöchel bekleideten (also von Ileuzey wohl richtig als weiblich be-
zeichneleni Figur, und 1. vor ihr die eines nackten Knaben, doch genügt
das Vorhandene, um erkennen zu lassen, dass wir genau das Schema des
oben besprochenen Reliefs, nur im Spiegelbihle. vor uns haben: stilistisch
ordnet sich dieses Stück vollständig in die Reihe der übrigen ein.
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