Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 209
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RELIEFS AUS THESSALIEN

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chitons nachzubilden, kommt derselbe über verunglückte An-
fänge nicht hinaus.

Im Einzelnen finden sich viele kleine, stets wiederkehrende
Motive: ich will blos auf einige hinweisen. Hieher gehören
die schief gezogenen. Falten zwischen den Beinen, welche aus-
ser bei dem Relief der Polyxena und dem von Wolters publi-
cirten Mädchen auch bei der sitzenden Frau auf Taf. VII und
dem Manne auf Taf. VI, 2 wiederkehren. Mag also immerhin
mit Wolters anzunehmen sein, dass das Motiv ursprünglich
für einen speziellen Fall fein erdacht war, so ist es doch spä-
terhin mechanisch weiter verwendet und schliesslich, wie bei
der sitzenden Frau und noch mehr dem kurzen Chiton des
Mannes, auch dort angebracht worden, wo es Sinn und Be-
deutung nicht mehr haben konnte.

Ebenso finden sich stets dieselben Faltenzüge in der Hais-
und Brustgegend bei Männern, wie Frauen: stereotyp ist die
Linienführung an dem gehobenen Arme der Männer, die von
demselben in zwei parallelen Bogenlinien herabfallenden Chla-
myszipfel, zwischen denen weiterhin der Chiton zum Vorschein
kommt. Mit besonderer Vorliebe wird auch das Gewand so
angeordnet, dass es die aus demselben hervortretenden Kör-
perteile eine Strecke weit als schmaler Streif begleitet.

Die bisher aufgezählten Einzelheiten Hessen sich leicht noch
vermehren, indess werden sie, glaube ich, genügen, um die
oben aufgestellte Behauptung der Einheitlichkeit sämmtlicher
thessalischen Reliefs als begründet und richtig erscheinen zu
lassen. Bevor ich dazu übergehe, diesen einheitlichen Ge-
sammtcharakter etwas näher zu bestimmen, und danach
zu untersuchen, ob unsere Reliefs in dem Rahmen einer uns
bereits bekannten Kunstentwicklung untergebracht werden
können oder nicht, muss vor allem ein Punkt betont werden,
der für die Beurteilung derselben von grösster Wichtigkeit ist.

O O O

Es ist dies die Thatsache, dass wir in ihnen allen die Erzeug-
nisse eines eng verbundenen, schulmässig zusammenhängenden
Kreises vor uns haben. Nur so erklärt sich die weitgehende
Übereinstimmung auch in Einzelheiten, die fortgesetzte, oft
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