Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 210
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RELIEFS AUS THESSALIEN

mechanische Wiederverwendung derselben Motive, das Fest-
halten an einmal gefundenen Stellungen und Wendungen,
worauf im Früheren hingewiesen wurde. Freilich ist es
keine Schule von grossen Künstlern, der wir diese Werke ver-
danken, vielmehr haben wir die Leistungen einer Zunft von
Handwerkern vor uns, die ohne aussergewohnliche künstle-
rische Begabung, aber in redlichem Streben die von andern
überkommene Kunstfertigkeit ausüben. Was an wirklicher
Künstlerarbeit in diesen Skulpturen steckt, ist zum grössten
Teil nicht das Verdienst ihrer Verfertiger, das liegt vor den-
selben, ist der Schatz, den sie in kleine Münze Umsetzern Die-
sen gilt es zu heben: nicht um den Stil der thessalischen Re-
liefs als solcher kann es sich handeln, sondern nur darum,
die Merkmale und Eigentümlichkeiten der Kunstrichtung aus
ihnen zu finden, welcher die thessalischen Handwerker die
Anregung und die Vorbilder verdanken, unter deren Einfluss
sie arbeiten. Darum wird man von einzelnen Fehlern und
Schwächen absehen, sie dem geringeren Vermögen des Hand-
werkers zuschreiben müssen, und sie für die Charakteristik
der zu Grunde liegenden Kunstrichtung nur dann verwerten,
wenn sie sich durch oftmalige Wiederkehr in verschiedenen
W erken als schon den Vorbildern ano-ehörio- erweisen lassen 1.

O D

Zunächst wird man eine gewisse herbe Strenge der Ge-
sammtauffassuno- in diesen Reliefs nicht läugnen können, wel-
che in ihrem Eindruck durch die Sparsamkeit und Einfachheit
in den Einzelheiten nur noch verstärkt wird. Besonders deut-
lich tritt dies in der Gewandbehandlung hervor, wo eine ge-
ringe Anzahl entschieden geführter Linien zur Bezeichnung

1 Auf den Charakter handwerksmässiger Erzeugnisse, welchen diese Re-
liefs an sich tragen, halte schon Brunn Athen. Mitth. VIII. S. 85 ff. hinge-
wiesen: doch hielt ich es für nicht überflüssig, diesen Gesichtspunkt noch
einmal besonders hervorzuheben, da Brunn selbst den von ihm besproche-
nen Werken einen höheren Rang zuerkennt und dadurch, sowie durch das
geringe ihm zur Verfügung stellende Material verleitet, mehrere Male Züge
und Einzelheiten zur Charakteristik der Kunstübung verwertet, die doch,
wie der Vergleich mit den übrigen lehrt, nur spezielle'Eigentümlichkeiten
der betreffenden Verfertiger sind.
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