Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 215
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RELIEFS AUS THESSALIEN

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unter, die Werke, welche er einer nordgriechischeu Kunst zu-
schreibt , zuzustimmen.

Den Jüngling von Pella verbindet ja einiges in der Gesichts;
bildung mit unseren Reliefs: andererseits aber zeigt er eine so
abweichende Behandlung des Haares, des Gewandes und vor
allem so reiche und feine Modellirung im Nackten, dass er da-
durch sich ganz wesentlich von ihnen unterscheidet. Ausser-
dem aber steht er auf einer so viel fortgeschritteneren Stufe der
Entwicklung, dass schon aus diesem Grunde ein direkter Ver-
gleich ausgeschlossen scheint: die Frage nach dem Verhält-
nisse dieses Skulpturwerkes zu der Kunst, welcher die thessa-
lischen Reliefs entstammen, kann, wie ich glaube, erst gelöst
werden, wenn eine Reihe von Vorstufen gefunden sind. Au-
genblicklich finde ich die nächsten Verwandten desselben
unter Bildwerken böotischen Ursprunges, unter denen ich
besonders auf die jetzt im hiesigen Nationalmuseum aufgestellte
Grabstele aus Thespiä mit der später eingegrabenen Inschrift
’AyaOo -/Au ^oups (oben S. 38) hin weise, welche in der Behand-
lung des Gewandes nach Anordnung und Faltenwurf dem-
selben o’anz auffällig nahesteht. Was das Relief von Abdera
betrifft, so würde dasselbe durch die weiche Behandlung des
Fleisches, die Manier, in der das Haar gegeben ist, und nicht
minder den gesummten Gesichtstypus unter den thessalischen
Reliefs völlig vereinzelt stehen. Sehr ähnlich in dem flächen-
haften Charakter des Reliefs, aber ohne jede Spur jener Strenge
und Geradlinigkeit des Faltenwurfes, welcher die thessalischen
Reliefs auszeichnet, ist das Relief der Philis von Thasos, wäh-
rend das Nymphenrelief eben daher kaum recht verglichen
werden kann.

Dagegen möchte ich auf ein Monument hinweisen, das mir
in naher Beziehung zu den besprochenen Stelen zu stehen
scheint, wenngleich es einer weiter vorgeschrittenen Kunst-
stufe angehört: ich meine das schöne Grabrelief eines Mädchens
in Venedig (Palazzo Giustiniani alle Zattere; abgeh. Antike
Denkmäler 1 Taf. 33,2). Fast alle Züge, welche wir als cha-
rakteristisch für die thessalischen Reliefs gefunden haben,
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