Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 231
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MISCELLEN

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nend gewesen wäre, sind doch bisher niemals grössere Aus-
grabungen daselbst vorgenommen worden. Erst in diesem Jahre
bat die englische Schule in Athen begonnen, die wichtigsten
Gebäude aufzudecken. Nach kleineren Grabungen auf dem

ö

nördlichen Ufer des Idelisson, wo mehrere Säulenhallen von
unbekannter Bestimmung vorläufig nur angegraben worden
sind, ist man an die Freilegung des südlich vom Flusse gele-
genen Theaters geschritten. Wider alles Erwarten sind nicht
nur die unteren Sitzreihen sondern auch die Untermauern des
Skenengebäudes recht gut erhalten. Früher sah man keinen
Stein derselben, nur Stücke der grossen Stützmauern des Zu-
schauerraumes waren über der Erde sichtbar. Dass an dem
Skenengebäude im Altertum Umbauten vorgenommen worden
sind, liess sich bei meiner Anwesenheit schon constatiren, im
Übrigen war der Grundriss desselben noch nicht vollständig-
klar. Was man sah, genügte aber schon, um dem Bau eine
hervorragende Stelle unter den in Griechenland erhaltenen
Theatern anzuweisen. Auf die vollständige Aufdeckung des
Grundrisses und seine Veröffentlichung darf man daher ge-
spannt sein. Hinter dem Skenengebäude ist ein grosser Hof
mit inneren Säulenhallen aufgedeckt. An der Untersuchung
eines grossen Tumulus im N. 0. der Stadt wurde noch gear-
beitet. Eine steinerne Urne mit Knochen und Schmuckgegen-
ständen, welche in geringer Tiefe gefunden wurde, ist offenbar
erst später in den Tumulus eingegraben worden. Das eigent-
liche Grab, für welches der Tumulus aufgeschüttet sein wird,
war noch nicht gefunden.

Die Ausgrabungen, welche von der französischen Schule in
Mantinea unternommen worden sind, waren seit meinem
letzten Besuch (April 1888) noch weiter geführt worden. Einen
eingehenden Bericht über die vielen aufgedeckten Bauten hat
der Leiter der Ausgrabungen, Herr Fougeres, kürzlich im Bul-
letin de corr. hell. 1890 S. 65. 244 veröffentlicht. Obgleich
die Bauwerke fast sämmtlich sehr zerstört sind, verdienen sie
doch besucht und studirt zu werden. Es mag hier nur auf eine
bemerkenswerte Eigentümlichkeit des Theaters hingewiesen
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