Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 237
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ZUR GESCHICHTE DES GRIECHISCHEN ALPHARETS

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werden konnten. Wie aber ®H statt TH geschrieben wurde,
so konnte auch nach Erfindung von <j) und X (j) H und XH
geschrieben werden, um die Aspiraten o und y auszudrücken,
sogar ein geschickter Ausdruck, wenn die Laute Affricatae wa-
ren. Überliefert ist eine solche Bezeichnung nicht, aber eine
Spur davon scheint in der Inschrift der von Dümmler (Rom.
Mitth. 11 S. 40 ff.)publicirten pränestinischen Fibula erhalten zu
sein (.Manios mecl fhefkaked Numasioi). Die Zeichenge-
bung f/i scheint dem vorauszusetzenden (j)H zu entsprechen.
Ist dies riehtis;. so hat es einen gemeingriechischen Zustand
des Alphabetes gegeben, in welchem die Aspiraten durch ® H,
(f)H und XH ausgedrückt wurden, welcher später überwunden
wurde, indem man zu der monolitteralen und ausreichenden
Bezeichnung ®, <j> und X wenigstens im Osten überging.

Als älteste Bezeichnungen für c und <L haben wir y.g und t.g
kennen gelernt. Zwischen diesen Zeichen und den jonischen
stehen die attischen Bezeichnungen §X und XX. Auch diese
sind als Überreste einer einst allgemein in Geltung gewesenen
Schreibweise anzusehen, denn man ist nicht berechtigt, das
attische Alphabet als eine isolirt dastehende Gruppe zu betrach-
ten, es sei denn vom Standpunkte des Gewordenen. Vom
Standpunkte des Werdenden ist vielmehr die Conservirung
einer untergegangenen ‘Gultur’ auch hier vorauszusetzen. Aus
der naxischen Schreibweise können wir überdies schlies-
sen, dass zu einer Zeit, als das X noch nicht vorhanden und
daher der Ausdruck ya für £ unmöglich war, die Bezeichnung
ha dem Lautwerte adäquater schien, als die Bezeichnung v.n.
Damit wäre denn ein gemeingriechisches Alphabet reconstruirt,
in welchem 0 = ®H, <p — cf>H, yp=XH, £ — X£, (L = cj)^ ist, in
welchem also die neu erfundenen Zeichen cj) und X entweder
völlig den Lautwert cp und y hatten oder einen ihnen sehr nahe
kommenden, welcher durch einen folgenden Hauch zu dem-
selben ergänzt wurde.

Früh musste nun das H nach Theta als überflüssig schwin-
den und man hatte nun vier Doppelzeichen für vier Laute, die
als einfach empfunden wurden. Das natürliche Streben ging
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