Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 242
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AKTAEON

Stätte seines Todes, aufgefunden, und die Frauen, wohl seine
Mutter Autonoe und deren Schwestern, sind jetzt um den
Toten beschäftigt, ihn zu waschen, zu kleiden und zu schmü-
cken. Eine alte Frau, also wohl Harmonia, den Mantel über
den Kopf gezogen, tritt von rechts heran, in der Rechten ein
Ölkrüglein. Hinter ihr schreiten noch zwei Figuren auf die
Unglücksstätte zu: die hintere, ein auf einen Stab gestützter
Alter, der klagend die Rechte erhebt, ist durch den Schmuck
seines Gewandes ausgezeichnet und darf also wohl Kadmos
benannt werden. Der andere, gleichfalls ein Greis, mit weis-
sem Petasos, kurz geschürztem Chiton, über Rücken und linke
Schulter ein langhaariges Fell geworfen, wendet das Gesicht
zum Könige zurück und weist mit der Rechten auf die Trauer-
scene. Er teilt ihm offenbar das Ereigniss mit. Er trägt, was
Weisshäupl erkannt hat, an einem Tragholze über der Schul-
ter einen geflochtenen Korb auf dem Rücken, wie so oft Land-
leute: vgl. Schreiber, Culturhistorischer Bilderatlas Taf. 63.
3: 64. 1. 3: 65. 12. Es ist also ein Bauer, der auf seinem Wege
durch den Wald den Leichnam des Aktäon gefunden und die
Trauernachricht in die Königsburg gebracht hat. Die ganze
Situation und besonders diese Figur des Boten könnte wohl
den Gedanken erwecken, dass dem Maler die Scene einer Tra-
gödie vorschwebte, eine Annahme, die für einen Böoter des
vierten Jahrhunderts nur dann nicht ohne Bedenken ist, wenn
man annimmt, dass er ein attisches Bild copirte.

Aktäon trägt hier kein Zeichen seiner Verwandlung. Aber
auch die drei indischen Thonreliefs bei Schöne, Griech. Re-
liefs Taf. 31 N. 127 und S. 60, N. 3 und 3a, die archaische
Kylix Elite ceram. 11. 103^, ferner Elite c er am. II. 102
und 103ß deuten sie ebenso wenig an. Vergleiche auch Kal-
limachos L. P. 115. Die einzige bisher bekannte Darstellung
der Bestattung des Aktäon auf dem Louvresarkophag Clarac
II. 113 N. 3 15 (69) zeigt die Hörner.

Rom. Oktober 1889.

E. BETHE.
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