Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 247
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MELISCHE KULTSTATUEN

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sich mit dem rechten Ellenbogen auf eine kleine Säule, wäh-
rend sie in dem linken Arm ein Kind, offenbar Plutos (s. Köh-
ler im Bullettino 1865 S. 135) trägt.

Das zweite Relief ist schon von Jahn, De antiquissimis
Minervae simulacris atticis Taf. 3,7 und darnach in Roscher’s
Lexikon der Mythologie I S. 690 abgehildet, allerdings in ein-
zelnem ungenau; unsere Abbildung auf S. 249 wird eine rieh-
tigere Vorstellung von demselben geben. Athena in altertüm-
lieh steifer Haltung mit Helm, Schild und Lanze, Eule und
Schlange zu ihren Füssen, steht, wie es scheint, auf einer nie-
drigen Basis. Auf dieser sind die Buchstaben E III E WÄAE
IÄN APON eingegraben ; eine Deutung des ersten Wortes,
das sich noch einmal auf dem Gewände der Göttin findet, ist
bisher noch nicht gegeben, und auch ich vermag es nicht zu
erklären1. Dass es sich um denselben Alexandros handelt, auf
welchen die erste Inschrift den Segen der Tyche herabfleht,
ist einleuchtend ; ihm zu Ehren sind die beiden Reliefs aufge-
stellt, und zwar, wie es scheint, von der Gesellschaft von My-
sten, welche die eine Inschrift nennt.

Was dazu geführt hat, Tyche und Athena als Gegenstücke
aufzustellen ist nicht ohne weiteres klar. Es könnte allerdings
müssig scheinen, darnach zu fragen, zumal wir von vorne-
herein nicht einmal sicher sein können, dass nicht ausser die-
sen noch andere Gottheiten in Beziehung zu dem frommen
Alexandros gebracht waren, aber ein glücklicher Zufall scheint
uns eine Antwort zu geben. Beide Gottheiten kehren nämlich
genau entsprechend auf den späteren Münzen von Melos wie-
der2. Von denjenigen, welche das inschriftlich bezeichnete
Bild der Tyche wiedergeben, ist mir eine Abbildung nicht be-

1 Ich glaubte einmal, darin das Wort egauo wiederzufinden, in späterer
Weise (s=at) geschrieben; es wäre von Athena gesprochen (ich erhöre den
Alexandros) und besagte dann ziemlich dasselbe, wie die erstere Inschrift.
Ich muss aber gestehen, dass diese Deutung nicht recht befriedigt.

2 Das hatte schon Cavedoni auf Grund der Beschreibungen richtig be-
merkt (Bullettino 1866 S. 93).
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