Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 250
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MELISCHE KULTSTATÜEN

allem auch den Unterkörper umgeben, und diese Bildung
kehrt auf dem Relief wieder, das allerdings auf die Umsäu-
mung des Schildes verzichtet hat.

Es ist demnach klar, dass die Mysten, welche die beiden
Säulenreliefs zu Ehren des Alexandros aufstellten, ihn in Ver-
bindung brachten mit den beiden Hauptgottheiten der Insel.
Die weite Verbreitung der Tupi t?k -oas«? oder wie es in der
Inschrift von Rhodiapolis (Reisen in Lykien 11 S. 114, XIX
B vgl. S. 29) heisst Tu^ctüoXi? ist bekannt1. Ihre melische
Kultstatue muss es sein, die auf den Münzen sowohl wie auf
dem Relief wiedergegeben ist. Daneben müssen wir dann in
der Athena eine zweite wichtige Kultstatue voraussetzen, eine
Vorstellung, die sich durch Vergleich lakedämonischer Münzen
bestätigen lässt. Dass die altertümliche Athenafigur, welche
wir dort finden2, die Chalkioikos des Gitiadas wiedergiebt, ist
eine höchst wahrscheinliche, auch von Imhoof-Blumer und
P. Gardner gebilligte Vermutung Koner’s 3. Da Melos von ei-
nerlakedämonischen Kolonie in Besitz genommen worden war4,
hat die möglichst genaue Wiederholung der spartanischen
Statue für Melos nichts auffälliges, und beweist nur das An-
sehen des spartanischen, erklärt das des melischen Kulthildes
der Athena. Wir sind also berechtigt, sowohl die melischen
Münzen zur Herstellung der Statue des Gitiadas5 heranzuzie-

1 Vgl. dazu P. Gardner im Journal of Ilellenic studies IX S. 73 und J. H.
Mordlmann in der Zeitschrift der morgenländischen Gesellschaft XXXI S.
99. XXXIX S. 44. IInmann und Puchslein, Reisen in Kleinasien und Nord-
syrien S. 336, 1.

2 Vgl. Jahn Taf. 3, 5 S. 19. P. Gardner, Calalogve of Greek coins. Pclopon-
nesvs Taf. 26, 8. S. 131, 87. Journal of Ilellenic sludies VII Taf. 65, TV, 13 S.
62= Imhoof-Blumer und Gardner, Numismalic commentary on Pausanias
Taf. N 13. S. 58. Die dort N 14 abgebildete Münze gehört nach Löhbecke,
Zeitschrift für Numismatik. XVIt S. 12 vielmehr nach Amblada in Pisidien.

3 Zeitschrift für Münzkunde 1845 S. 2. Mir ist nur der kurze Auszug
Arch. Zeilung III S. 30 bekannt.

4 Vgl. Studniczka, Kyrene S. 47. — So kehrt die Hera von Samosauf
Münzen von Perinth wieder: Journal of Ilellenic sluclies IX S. 52,2. Over-
beck, Kunstmythologic III S. 15.

» Oder, um ganz vorsichtig zu reden, der auf den Münzen von Sparta und
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