Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 270
DOI Heft: 10.11588/diglit.29171.28
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.33
DOI Seite: 10.11588/diglit.29171#0280
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1890/0280
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
270

Inschriften aus karien

Die Inschrift enthält einen Beschluss der Phyle der 'YapSs-
cpjToci aus Mylasa, dass künftig jeder von der Phyle Geehrte
dem Phylengotte Zeus (Stratios?) innerhalb von sechs Monaten
einen silbernen Becher oder eine silberne Schale, wenn er der
Phyle selbst angehört, drei Becher oder Schalen, wenn er
einer anderen Phyle angehört, darbringen soll.

Interessant ist die Urkunde zunächst dadurch, dass sie uns
den Namen einer der drei Phylen von Mylasa bietet, von de-
nen wir bis dahin aus zahlreichen Inschriften nur die der
’OTcapxov&eis kannten (LW. 403- 418 Bull, de corr. hell. V
S. 107 ff. VII S. 16 ff.). Die Ausführungen Waddington’s zu
LW. 377-379 gegen die Ansicht Böckh’s z. C. I. G. 2691 wer-
den durch diese neubeglaubigte Phyle der 'YapSecuTai durchaus
bestätigt: wir haben in den rozlc cpiAou der berühmten Maus-
solosinschriften aus Mylasa (LW. a. 0.) nicht ländliche Tri-
bus neben der einen Stadttribus von Mylasa zu sehen, son-
dern drei alte städtische Tribus, Geschlechts-bez. Gaugenos-
senschaften, die zusammen wie Waddington sehr glücklich
bemerkt eine Art von comitia curiata bildeten. Dieselbe Drei-
zahl bevorrechteter und religiös geeinter Phylen kehrt auch in
Olymos wieder (vgl. Athen. Mitth. XIV 391 f.), wir werden
deshalb dieselbe auf eine alte karische Einrichtung zurückzu-
führen haben. Die eigenartigen, mit diesen Thatsachen über-
einstimmenden Verhältnisse der städtischen Verwaltung von
Mylasa zeigen sich auch äusserlich darin, dass die Stadt im
IV. Jahrhundert noch keine Mauer besitzt (Ps. Aristot. Oecon.
II 2,13).

Der Name der neuen Phyle der TapSecuxod deutet auf ka-
rischen Ursprung. Es ist offenbar ein von einer Örtlichkeit
abgeleitete Name wie der der ’Oroop'/tovSas, Mwccrsi?, KavcUjSstV
KußigsIc,: der Ort Kugig-a kommt wiederholt in den Urkunden
von Olymos (LW. 323/24. 331. 404? vgl. Athen. Mitth. XIV
375. 381) vor, ausserdem erinnert Waddington (LW. S. 99)
an die lykische Stadt KavSu€<x. Vgl. G. Meyer in Bezzenber-
ger’s Beiträgen X 186. 188. 193.

Die Verfassung der Phyle stimmt mit der der Otorkonden-
loading ...