Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 344
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MISCELLEN

graben werden könne, dessen noch aufrecht stehende Säulen
in jenem Hause und in der Nähe desselben sichtbar waren1.
Die archäologische Gesellschaft hatte auch schon vor einiger
Zeit mit den Grabungen begonnen und einige Säulen freige-
legt. Diese Arbeit ist jetzt wieder aufgenommen worden und
soll nunmehr der ganze antike Bau soweit als möglich aufge-
deckt werden.

Man hat bis jetzt ein grosses Stück eines auffallend gut er-
haltenen römischen Gebäudes freigelegt, welches nach seiner
Lage, nach seiner Gestalt und nach einigen aufgefundenen In-
schritten offenbar einen Teil des römischen Marktes gebildet
hat Wir erkennen einen mit Marmorplatten gepflasterten Platz,
welcher von Säulenhallen umgeben ist. Auf zwei Seiten, im
Osten und Süden sind die Hallen schon aufgefunden. Von den
marmornen Säulen jonischen Stiles stehen die meisten noch
aufrecht, nur wenige fehlen ganz. An die Säulenhallen schliesst
sich nach aussen eine Reihe von Gemächern an, welche ver-
mutlich als Kaufläden gedient haben. Auf der Südseite schei-
nen schon im Altertum einige jener Zimmer abgebrochen und
durch eine zweite Säulenhalle ersetzt worden zu sein. Welche
Ausdehnung der Markt nach Westen und Norden gehabt hat,
ist noch nicht festgestellt. Bisher sind von der östlichen Halle
8, von der südlichen 13 Säulen gefunden, ohne dass man aut
eine Ecke gestossen wäre. Nach Westen kann sich der Markt
sehr wohl bis zu dem schon erwähnten, längst bekannten
Marktthore ausdehnen, welches auf Kosten von Julius Caesar
und Augustus vom Demos errichtet und der Athena Archege-
tis geweiht war. Dass dieser Zusammenhang bestehe, ist schon
früher mehrfach vermutet wurden ; Gewissheit darüber ist
aber auch jetzt noch nicht erzielt.

Eine andere, zuweilen ausgesprochene Vermutung dagegen,
dass der römische Markt, von welchem jetzt ein Teil aufge-
deckt ist, auch den Turm der Winde eingeschlossen habe, hat

1 Die genaueste Beschreibung der früher schon sichtbaren Reste hat L'.
Schmidt veröffentlicht im Rhein. Mus. XX S. 161.
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