Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 349
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MISÖELLEN

34§

ln Rhamnus hat die archäologische Gesellschaft durch
Herrn Stais bei den Tempeln Grabungen veranstaltet, die durch
eine unerwartete Menge von Skulpturen belohnt worden sind.
Das wichtigste sind Reliefreste, die wir mit Zuversicht der
Basis des Nemesisbildes von Agorakritos zuschreiben dürfen.
Es sind mehrere männliche und weibliche Torsen und Köpf-
chen erhalten, auch der Kopf des von dem 'Itttösu«; geführ-
ten Pferdes. Die Composition stellt sich als eine sehr weit
auseinandergezogene Reihe mässig bewegter Gestalten heraus;
im Stil ist vor allem der Fries des Parthenon zu vergleichen,
doch scheinen die Werke des Agorakritös schon etwas weiter
entwickelt.

Wichtig sind sodann drei statuarische Werke, die mit den
zugehörigen Basen und Inschriften neben einander gefunden
wurden. Die erste ist eine überlebensgrosse weibliche Ideal-
figur von reifen, etwas matronalen Formen. Sie ist mit einem
hochgegürteten feinen Chiton und Ilimation bekleidet: letzte-
res zeigt unten deutliche Spuren ehemaligen Farbenschmuckes.
Die einst bemalten Stellen sind deutlich heller als der übrige
Grund; das Muster, welches sich erkennen lässt, ist das häufig
vörkommende aus schmalen, langen Zacken gebildete. Dass
diese Figur eine Themis darstellt, geht aus der Weihinschrift
hervor; sie ist ein Werk des NoupecrrpaTo? XcapsA/igou 'Papvou-
gioq. Nach der Inschrift wird man das Werk nicht vor 300 v.
Ch. ansetzen dürfen.

Die zweite Figur, von geringerer Grösse und Güte stellt
Aristonoe, Priesterin der Nemesis, geweiht von ihrem Sohne
Hierokles dar. Fine dritte Statue von etwa halber Lebensgrösse
ist die eines Jünglings, der sein Ilimation um den Unterkör-
per geschlagen hat und den rechten Arm (anbetend?) erhebt;
sie ist eine Weihung des Lysikleides und muss aus dem Ende
des fünften Jahrhunderts stammen.

Unter den wenigen archaischen Resten ist eine 45cm höhe
weibliche Sitzfigur, den gleichen Figuren von der Akropolis
im Stil verwandt, zu nennen. Bis auf Kopf und Arme ist
sie wohl erhalten.
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