Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 359
DOI Heft: 10.11588/diglit.29171.41
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29171.42
DOI Seite: 10.11588/diglit.29171#0369
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1890/0369
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
DAS KABIRENHEILICtTUM BEI THEBEN

359

Ein in der ganzen antiken Welt verbreiteter Typus ist auch
der hockende Silen, bald mit Doppelflöte, bald ohne diese,
derselbe ist in 40 bez. 70 Exemplaren vorhanden, die nichts
Aussergewöhnliches bieten.

Pan mit Bocksbeinen ist in drei nahe verwandten Typen
vorhanden (etwa 25 Exemplare); er ist nach rechts schrei-
tend dargestellt. in der einen Hand hält er ein Horn, in der
andern bisweilen die Syrinx, ln etwa 20 Exemplaren ist die
bekannte bärtige ithyphallische Herme vorhanden, die man
nach Analogie der im Arch. Anzeiger 1889 S. 89 abgebilde-
ten Hermes nennen dürfte.

Nur einmal vertreten ist Hermes in dem bekannten Typus
des Kriophoros. der uns auch für das Werk des Kalamis in
Tanagra überliefert ist; auch in diesem Fall ist die Unbär-
tigkeit sicher (vgl. Berliner Gipsabgüsse N. 418). Ebenfalls
als Hermes dürfen wir ein stark verletztes Figürchen, einen
nackten stehenden Jüngling mit einem Lamm unter dem Arm,
bezeichnen wegen seiner Ähnlichkeit mit dem bekannten schö-
nen Hermestypus, den Conze Annali 1858 Taf. 0 zuerst be-
kannt gemacht hat. Von diesem sind mehrere Exemplare von
bedeutender Grösse und besonderer Schönheit gefunden wor-
den ; namentlich einige Köpfe zeichnen sich durch feine, strenge
Arbeit und gute Erhaltung aus. Dieselben gestatten mit grös-
serer Sicherheit,als dies bisher möglich war,die Datirung des
Typus in die erste Hälfte des fünften Jahrhunderts.Davon wird
später noch kurz zu reden sein, hier möchte ich nur hervor-
heben, dass ich weder bei diesen noch bei den länger bekann-
ten Exemplaren eine Stlengis erkennen kann, vielmehr glau-
be, dass die gesenkte Rechte einen Zipfel der Chlamys fasst.
Eine besondere Beziehung zu dem Hermes Promachos von
Tanagra ist also nicht vorhanden, und die Übereinstimmung
mit dem von Onatas für seine Statue verwendeten Typus ist
eine fast vollständige, allerdings ohne dass damit auch die
Sicherheit einer stilistischen Verwandtschaft beider Werke
erreicht wäre.

Von den, namentlich aus Bootien bekannten Typen ruhig
loading ...