Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 373
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DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN

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bei den anderen, z. B. kehrt die sonderbare Form des 5 in
Nr. 2 wieder. D und E sehen wir innerhalb derselben In-
schriften schwanken. Nun empfiehlt aber eine andere Er-
wägung, nur einen Träger des Namens Daitondas anzuneh-
men, das ist die gewählte Form der Weihung. ’AvIöyixs ist bei
den Verehrern des Kabiren ein nicht beliebtes Wort, meist
genügt der blosse Name; unter rund 500 Vaseninschriften fin-
det sich nur 42 Mal äviÖYixs verwendet, unter 18 Stieren mit
Inschriften aus unserer Ausgrabung, zu denen noch vier aus
dem Kunsthandel kommen, findet sich ävlOrzs nur diese drei
Male mit dem Namen des Daitondas; es wäre also ein sonder-
barer Zufall, wenn es nicht dieselbe Person wäre1.

Die übrigen Tiere entwickelten Stiles mögen zunächst un-
erwähnt bleiben, da keines derselben abgebildet wird. Ganz
heraus fällt aus der Masse ein gelagerter Ziegenbock, welcher,
einem Stier in Olympia ähnlich, hohl gegossen ist, und mit
der abgeschnittenen Unterfläche seines Körpers auf eine Basis
befestigt war, worauf noch ein Loch im Rücken deutet. Dies
ist das einzige Stück, welches Spuren von Vergoldung trägt;
die Arbeit ist nicht besonders fein. Für das Alter der ver-
schiedenen Klassen von Tieren fehlt es an Anhaltspunkten;
die Inschriften geben nicht viel aus. Mehr könnte die Ver-
gleichung mit einem auf der Akropolis gefundenen Bronzestier
hergeben, da derselbe dem grössten Stücke unserer Funde,
welches noch etwas vorgeschrittener ist als der beste Daiton-
das-Stier, ausserordentlich ähnlich ist. Doch ist der Stier von
der Burg unter dem Romatempel gefunden, so dass aus sei-
nem Fundort nichts für sein Alter hervorgeht2. Ein kleinerer
Stier ähnlichen Stiles ist auf der Burg über dem Perserschutt,

] Der Name Daitondas ist, so viel ich sehe, bis jetzt nur aus Pausan. VI
17,5 bekannt. Inschriftlich erscheint er wahrscheinlich noch auf einer Va-
senscherbe des Kabirenheiligtums, auf welcher arcov eingeritzt ist; freilich
kommt auch die Namensform Aaücov als böotisch vor: Diltenberger Sylloge
Nr. 404 Z. 21.

2 Über die Fundschichten unter dem Romatempel vgl. Kawerau, Antike
Denkmäler 18. 13.
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