Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 376
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DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN

darf man nicht denken, da nicht eine Seite beschwert, son-
dern das ganze Innere ausgegossen ist, auch das Blei 'völlig
sichtbar war; denn die abgeschnittenen Teile sind nicht wie-
der an ihrer ursprünglichen Stelle befestigt gewesen. Es sind
Knöchel vorhanden, die bei einer Breite bez. Länge von 40
und 60mm nur 8mm Dicke haben, die also zum Spiel gar nicht
mehr dienen konnten.Vielleicht rühren diese von den bekann-
ten, mit Astragalen versehenen Peitschen her. Wenn in der
Inschrift, welche die jährlichen Weihgeschenke verzeichnet
(s. u.), neben anderem auch eine Geissei aus Silber vorkommt,
so wage ich doch nicht, ohne weiteres hier einen besonderen
Zusammenhang anzunehmen. Aus Knochen bestehen auch ei-
nige Schreibgriffel, von denen einer oben mit einer kleinen
itbyphallischen Herme geschmückt ist.

Eigenartig und beachtenswert sind die Glassachen, die, wie
die Masse der anderen Funde, mit Ausnahme weniger leicht
abzusondernder Stücke durchweg der älteren Zeit des Heilig-
tums angehören müssen. Es sind vor allem Glasperlen, von
denen an 1500 Stück gefunden sind. Eine geringe Zahl dersel-
ben sind bis zu 35mm grosse, plumpe, meist mit drei Vorsprün-
gen gebildete Perlen aus braunschwarzem, blasigem Glase;
verziert sind dieselben mit weissen oder gelben Spiralen, wel-
che meist in der Zahl von drei die genannten Vorsprünge be-
decken. Diese Spiralen sind aas Glasfäden hergestellt, wel-
che man in eine vorher für sie angebrachte vertiefte Rinne
presste.

Während dies Glas einen untergeordneten, technisch un-
vollkommenen Eindruck macht, zeigt die Masse der anderen
Perlen ein sicheres Können. Es sind kleinere, meist kugelför-
mig oder ringförmig gestaltete Perlen aas lebhaft gefärbtem
Glase, z. T. einfarbig blau, meergrün, hellgrün, gelb, braun-
gelb, weiss, zum weitaus grösseren Teil aber durch einge-
fügte, aus einem grösseren runden Fleck und umgebende an-
ders gefärbte Kreise gebildete ‘Augen’ verziert. Diese Augen
sind nicht aus eingelegten Glasfäden hergestellt, sondern aus
ganzen Lagen des verschieden gefärbten Glases, so dass im
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